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Jan Schiefenhövel (höv.)

Darmstädter Lichtwiesenbahn : Straßenbahn für die Universität

Vom Willy-Brandt-Platz zum Campus an der Lichtwiese: Künftig soll auch der Außencampus der Technischen Universität an das Straßenbahnnetz angeschlossen sein. Bild: Michael Braunschädel

Darmstadt ist ein Standort der technischen Forschung und eine wohlhabende Stadt. Doch zum Campus an der Lichtwiese fahren bislang nur oft überfüllte Busse - eine Notlösung.

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          Die Darmstädter Lichtwiesenbahn, die geplante Neubaustrecke für die Straßenbahn zum Außencampus der Technischen Universität, entwickelt sich zu einer schweren Geburt. Erst wurde vor Jahren mit der Planung begonnen, im vergangenen Jahr entschied eine Mehrheit unter Führung der SPD, auf das Vorhaben zu verzichten, um Geld zu sparen.

          Im Frühjahr fand sich dann doch wieder eine Mehrheit für die Lichtwiesenbahn zusammen, so dass weiter geplant wurde. Weil sich herausstellte, dass der Bau teurer wird als gedacht, stand das Projekt schon wieder auf der Kippe. Nur sehr knapp fiel die Abstimmung am Donnerstagabend zu seinen Gunsten aus, und das auch nur deshalb, weil einige Stadtverordnete der Opposition nicht an der Sitzung teilnahmen. Weil die Koalition aus Grünen und CDU nicht über die Mehrheit der Mandate verfügt, spielt auch der Zufall eine Rolle.

          Bislang eine Notlösung

          In der Sache spricht vieles für den Bau der Gleise. Es fehlen nicht einmal eineinhalb Kilometer vom bestehenden Schienennetz bis zum Campus mit Büros, Hörsälen, Laboren und der neuen Bibliothek an der Lichtwiese. Bisher fahren dorthin Busse, oft überfüllt. Das ist nur eine Notlösung. Eine Straßenbahn wäre der weitaus bequemere und leistungsfähigere Anschluss für die Technische Universität und würde eine direkte und schnelle Verbindung zu deren zweitem Standort in der Innenstadt schaffen.

          Die Fachleute rechnen nun hin und her, wie viele Autofahrten dank der neuen Bahnstrecke vermieden werden. Dabei ist es ganz einfach: Eine Bahn wird als öffentliches Verkehrsmittel einfach ernster genommen als ein Bus. Auch unter Umweltgesichtspunkten muss die Straßenbahn gegenüber Bussen den Vorzug erhalten. Denn auch Busse mit der neuesten Technik verheizen Diesel, stoßen Abgase und Kohlendioxid aus.

          Und die Mehrkosten? Darmstadt ist eine wohlhabende Stadt, die reichlich Steuern von ihren erfolgreichen Unternehmen erhält, die auch davon profitieren, dass Darmstadt ein Standort der technischen Forschung ist. Deshalb sollten die Darmstädter bereit sein, ihren Wissenschaftlern und Studenten gute Bedingungen zum Arbeiten und Lernen zu bieten. Dazu gehört auch eine leistungsfähige Straßenbahn zur Hochschule.

          Jan Schiefenhövel
          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

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