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Kommentar : Die spinnen, die Römer

Ansgar Wucherpfennig Bild: dpa

Was tun eigentlich jene Starrköpfe in Rom den ganzen Tag, die Pater Wucherpfennig aus seinem Rektoramt an der Hochschule St.Georgen drängen? Die Kirche ist dabei, den katholischen Karren mit Karacho an die Friedhofswand zu fahren.

          Wenn das so weitergeht, dann schließt sehr bald in einer deutschen katholischen Kirche jemand als Letzter die Tür zu. Nicht so sehr deswegen, weil das Heidentum immer mehr um sich griffe, sondern weil die Kirche dabei ist, den katholischen Karren mit Karacho an die Friedhofswand zu fahren.

          Was tun eigentlich jene Starrköpfe in Rom den ganzen Tag, die Pater Wucherpfennig aus seinem Rektoramt an der Hochschule St.Georgen drängen, ohne ihn angehört zu haben? Kommen sie auch unter ganz normale Leute? Bekommen sie die Zweifel, ja die Verzweiflung derjenigen nicht mit, die glauben (möchten), deren Leben aber längst himmelweit von der verschwurbelten Sexualmoral der Kirchen und von deren Engstirnigkeit in Sachen Frauen-Diakonat entfernt ist? Das Entsetzen gläubiger Katholiken, die die Kirche aber nicht als „Disziplinaranstalt“ (Wucherpfennig) ihres Alltags gelten lassen?

          Die Missbrauchsfälle haben offengelegt, wie nahe die katholische Kirche an der Kippkante steht, nicht nur wegen der Übergriffe, sondern generell. An maßgeblichen Stellen herrscht die Ansicht vor, jetzt müssten Scham bekannt und Reue gelobt werden. Dieses Bekenntnis ist dringend nötig und bei den meisten ehrlich gemeint, doch es reicht nicht mehr. Es reicht dann nicht, wenn dahinter die Überzeugung steht, es habe schreckliche Verirrungen geben, aber man müsse nur auf den alten Weg zurückkehren, dann werde alles wieder gut. Johannes zu Eltz, der Frankfurter Stadtdekan, hat recht, wenn er sagt, die Gemeinde halte den alten Weg nicht mehr für den richtigen, sie sei auf der Suche nach einem anderen.

          Es entspricht aber ganz dem alten Kurs, Pater Wucherpfennig das „Nihil obstat“ zu verweigern und „Widerruf“ von ihm zu verlangen, als wäre er ein Ketzer – wegen Jahre zurückliegender und vorsichtig formulierter Äußerungen über die Haltung der Kirche zur Homosexualität und über das Diakonat von Frauen. So verhalten sich erstarrte Apparate. Die KPdSU brachte immerhin noch die Kraft zur Selbstauflösung auf, dem römischen Katholizismus droht hingegen der Tod durch Schwindsucht, wenn er so weitermacht.

          Die katholische Kirche muss weiß Gott nicht jedem Zeitgeist-Kokolores nachgeben, aber die Erkenntnis, dass viele Katholiken viele Dogmen für ihr Leben nicht mehr gelten lassen, die sollte so langsam dämmern. Und dass es nicht die Gläubigen sind, die sich ändern müssen.

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