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Kommentar zu Windkraft-Nutzung : Lernen von Heidenrod für die Energiewende

  • -Aktualisiert am

Geldmaschine: Windräder bei Heidenrod im Rheingau-Taunus Bild: Rosenkranz, Henner

In Heidenrod entsteht der mit Abstand größte Windenergiepark der Rhein-Main-Region - und die meisten Anlieger sind dafür. Auch wegen der Chance, über eine finanzielle Beteiligung zu Gewinnern der Energiewende zu werden.

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          Heidenrod zeigt es allen. In der kleinen Untertaunus-Gemeinde entsteht der mit Abstand größte Windenergiepark der Rhein-Main-Region, und Proteste dagegen sind selbst mit der Lupe nur schwer zu entdecken. Fast 90 Prozent der Wähler haben vor zwei Jahren in einem Bürgerentscheid für die Aufstellung der Rotoren gestimmt.

          Die Dividende besteht aus einem weit überproportionalen Beitrag zur Energiewende in Hessen, einem schon bald ausgeglichenen Haushalt, einem zumindest vorläufigen Ende der häufigen Gebührenerhebungen und nicht zuletzt im Zugang zu einer attraktiven Geldanlage. Dass dafür acht von insgesamt 4600 Hektar Kommunalwald geopfert wurden, verteidigt Bürgermeister Diefenbach ganz offensiv. Ohne Klimaschutz gibt es auch keinen Waldschutz, sagt der ehemalige Förster.

          Polarisierende Diskussion vermieden

          Wie hat es Heidenrod erreicht, die Bürger auf diesem Weg mitzunehmen und eine polarisierende Diskussion zu vermeiden, wie sie derzeit in fast allen Kommunen des Rheingaus geführt wird? Im Rheingau wird mit Spannung die Antwort auf die Frage erwartet, ob die erbitterten Gegner von Rotoren auf den Rheingauer Höhenzügen nur laut oder ob sie tatsächlich auch in der Mehrheit sind.

          Das „Rezept“ von Diefenbach dagegen klingt einfach. Ein derartiges Projekt muss von langer Hand vorbereitet werden. Ein Bürgerentscheid, der jedem Einwohner die Chance gibt mitzuentscheiden, ist nach umfassender Information und Transparenz bei der Planung unerlässlich, um ein eindeutiges und positives Votum zu gewinnen. Erst die Bürger fragen, dann in die konkrete Planung gehen, das war die Devise in Heidenrod.

          Chance auf finanzielle Beteiligung

          Es fördert zudem das Vertrauen, wenn die Gemeinde ihre eigenen Flächen nicht nur einem womöglich ausländischen Investor überlassen will, sondern selbst das Heft in der Hand behält und den Windpark mit einem erfahrenen Partner selbst betreibt. Wenn dann noch jedem Bürger die Chance eröffnet wird, über eine finanzielle Beteiligung selbst zu einem unmittelbaren Gewinner der Energiewende zu werden, dann sind die Voraussetzungen besonders gut, dass ein Windpark im weitgehenden Konsens errichtet werden kann.

          Windräder müssen nicht zwangsläufig polarisieren und die Dorfgemeinschaft spalten. Insofern täten viele Bürgermeister im Land gut daran, sich das Beispiel Heidenrod einmal näher anzusehen.

          Oliver Bock
          (obo.), Rhein-Main-Zeitung

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