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Sekt als Preisschlager : Der Plopp für die Welt

  • -Aktualisiert am

Sekt zu Tiefstpreisen: Nicht nur an Silvester lockt der Handel Kunden mit Sonderangeboten (Symbolbild). Bild: dpa

Der deutsche Schaumweinmarkt ist hart umkämpft, viele Unternehmen schauen deshalb auf ausländische Märkte. In Wiesbaden hat Henkell-Vorstand Andreas Brokemper einen Weltmarktführer geformt.

          Wer vor der Silvesterfeier die grellbunten Anzeigen in Zeitungen und Werbeprospekten des Einzelhandels studiert, der stößt immer auch auf Sekt als Preisschlager. Das Anpreisen einer Flasche für nur 2,49 Euro ist da keine Seltenheit, sogar mit 1,99 Euro werden bisweilen die Schnäppchenjäger gelockt. Wer bedenkt, dass in diesem Preis die Sektsteuer von 1,02 Euro, die Mehrwertsteuer und die Ausgaben für die Versektung des Grundweins sowie für die Abfüllung, für die Flasche, das Etikett und den Verschluss enthalten sind, der mag Rückschlüsse auf Kosten und Qualität der verwendeten Grundweine ziehen. Die Lockangebote des Handels zeigen gleichwohl, dass im wichtigsten Sektmarkt der Welt die Kunden immer noch mit besonders günstigem Schaumwein in die Läden zu locken sind. Diese Kunden sind vom Handel so an regelmäßige Sonderangebote zu Tiefstpreisen gewöhnt worden, dass viele Sektmarken inzwischen zu mehr als der Hälfte des Absatzes über Sonderaktionen in den Einkaufsmärkten losgeschlagen werden.

          Dem Nimbus des Sektes als Getränk für besondere Anlässe hat das bislang wundersamerweise nicht geschadet. Und nicht jeder Schaumweinmarkt ist so hart umkämpft und von einer Preisschlacht des Handels so dominiert wie der deutsche.

          Selbstbewusstsein an der Biebricher Allee

          Rotkäppchen-Mumm versucht sich deshalb schon seit Jahren in der Internationalisierung, um als deutscher Marktführer nicht allein den hiesigen Marktmechanismen ausgeliefert zu sein. Weitaus erfolgreicher und damit unabhängiger ist in dieser Hinsicht Henkell, das sich zum Jahreswechsel in Henkell Freixenet umbenannt hat. Mit der Übernahme des spanischen Konkurrenten ist in Wiesbaden der globale Marktführer entstanden. Die großen Ziele für die nächsten Jahre in einem insgesamt allenfalls moderat wachsenden Markt spiegeln das noch einmal gestärkte Selbstbewusstsein an der Biebricher Allee wider.

          Henkell hat sein Schauweinsortiment aus Sekt, Prosecco und Champagner nun um Cava ergänzt und sieht sich damit bestens aufgestellt, zumal Freixenet schon heute in Märkten präsent ist, die Henkell nur aus der Landkarte kennt. Mit dem Geld des Oetker-Konzerns hatte Henkell-Vorstand Andreas Brokemper die Chance, einen Weltmarktführer zu formen. Das gelingt nur einmal in einem Managerleben. Bei Henkell dürften nach vier Jahren harter Verhandlungs- und Überzeugungsarbeit die Korken besonders laut knallen. Und nicht mit einem Billigheimer vom Discounter.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

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