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Seilbahnen für Pendler : Nicht nur für Skifahrer

Seilbahnen wie in London (Foto): Im Rhein-Main-Gebiet zeichnet sich eine Renaissance des öffentlichen Nahverkehrs ab. Bild: Reuters

In der Region zeichnet sich eine Renaissance des öffentlichen Nahverkehrs ab. Es ist wunderbar, dass über vieles nachgedacht wird, sogar über Seilbahnen, worauf vor Jahren noch niemand gekommen wäre.

          Wem daran liegt, dass die Pendlerströme im Rhein-Main-Gebiet in Zukunft umweltfreundlicher abgewickelt werden als bisher, der hat allergrößte Freude an der Renaissance des öffentlichen Nahverkehrs, die sich neuerdings in der Region abzeichnet. Frankfurt, Darmstadt und Mainz bauen ihre Schienennetze aus, in Wiesbaden ist es zumindest möglich, dass der Fehler aus dem Jahr 1958, die Straßenbahn abzuschaffen, korrigiert wird.

          Insofern ist es wunderbar, dass über vieles nachgedacht wird, sogar über Seilbahnen, worauf vor Jahren noch niemand gekommen wäre. Seilbahnen nicht für Skifahrer, sondern als städtisches oder gar regionales Verkehrsmittel? Eine sympathische Idee, wenn sie dazu beiträgt, den Verkehrsinfarkt zu verhindern.

          Andererseits: Auch Seilbahnen müssten sich einfügen in ein dicht gesponnenes Netz von Regionalzügen, S-Bahnen, U-Bahnen und Straßenbahnen, und es muss in jedem Fall geprüft werden, ob es nicht besser ist, eine vorhandene Schienenstrecke zu verlängern. Denn wer ein weiteres Verkehrsmittel einsetzt, schafft Umsteigezwänge, was nur denjenigen nicht stört, der ohnedies nicht vorhat, die Verbindung zu nutzen.

          Eine Seilbahn von Schmitten zur U-Bahn-Endstation Hohemark zum Beispiel heißt eben, dass die Pendler dort das Verkehrsmittel wechseln müssen. Mit dem Auto können sie durchfahren, überdies schon von der Haustür an. Ist eine gestückelte Verbindung dann wirklich attraktiv?

          Bemerkenswert häufig ist von Seilbahntrassen dort die Rede, wo eine Straßenbahn bessere Dienste leisten könnte. In Neu-Isenburg endet die Linie 17 an der Stadtgrenze, sie müsste nur endlich durch die Haupteinkaufsstraße verlängert werden, um der Hugenottenstadt eine schnelle Verbindung nach Frankfurt zu bescheren. Ist eine Seilbahn, deren Fahrgäste dann ja nach wenigen hundert Metern doch in die Straßenbahn wechseln müssten, wirklich besser? Zudem: Hat man sich dort überlegt, welche Dimensionen die Stationen in luftiger Höhe haben werden, die man benötigt, um die Fahrgäste in die Kabinen zu bugsieren? Auch eine schnellere Verbindung vom Mainufer zum Waldstadion in Frankfurt ließe sich leicht mit der Straßenbahn erreichen; sie fährt gegenwärtig einen großen Bogen auf dem Weg dorthin. Die alten Gleise in der Mörfelder Landstraße liegen sogar noch.

          Doch solche Einwände sollen kein Abgesang auf jedwede Nutzung von Seilbahnen in der Region sein. Richtig ist ja, dass sie womöglich schneller zu verwirklichen sind als Schienenstrecken. Das Beste ist, dass überhaupt über den Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel nachgedacht wird.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

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