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Kommentar zu Schmidt-Kliniken : Erschreckende Einsichten, schöne Aussichten

  • -Aktualisiert am

Die HSK in Wiesbaden haben im vergangenen Jahr Defizite von 20 Millionen Euro verbucht. Bild: dpa

Die Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden haben zuletzt Defizite von 20 Millionen Euro verbucht. Wenn die neue Chefetage jetzt verkündet, dass allein bei der Verköstigung 2,8 Millionen Euro verschwendet worden seien, deutet das auf einen Skandal hin.

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          Wer in der Politik eine Aufgabe übernimmt, lässt seinen Vorgänger gern alt aussehen - umso besser steht man selbst am Ende da. Das ist jedenfalls das Kalkül, mit dem der neue Umweltminister Peter Altmaier (CDU) in diesen Tagen seinen gescheiterten Parteifreund Norbert Röttgen schilt. Und so muss man auch die Äußerungen bewerten, mit denen die beiden neuen Geschäftsführer der Dr. Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) die Zustände beschreiben, die sie vorgefunden haben. Je gravierender die Fehler der alten Geschäftsführung wirken, desto mehr Glanz umgibt die Retter von der Rhön-Klinikum AG. Das ist jedenfalls die kommunikative Strategie, die die beiden Manager an der Spitze der HSK im Moment leitet.

          Das macht ihre Einlassungen aber nicht wertlos. Die HSK haben im vergangenen Jahr Defizite von 20 Millionen Euro verbucht. Wenn die neuen Leute jetzt verkünden, dass allein bei der Verköstigung 2,8 Millionen Euro verschwendet worden seien, deutet das auf einen Skandal hin. Aber das heißt auch, dass der vollständige Abbau des strukturellen Defizits ein realistisches Ziel ist. Knapp drei Monate nach ihrem ersten Arbeitstag bekräftigen die beiden Rhön-Leute auf der Grundlage ihrer vertieften, aus der Innensicht gewonnenen Erkenntnisse, dass das Haus in drei Jahren schwarze Zahlen schreiben werde. Das sind schöne Aussichten.

          Erfrischende Klagen

          Allerdings ist der Weg dahin nicht so einfach, wie es klingt. Dass die beiden Manager die hohen Gehälter mancher Chefärzte in der Öffentlichkeit so dezidiert beklagen, ist erfrischend. Aber man kann sich vorstellen, wie unangenehm die Gespräche verlaufen, die hinter den Kulissen geführt werden. Dabei war eines von vornherein klar: Prozesse, die dazu führen, Millionen einzusparen, sind alles andere als Spaziergänge. Das wussten die Kommunalpolitiker, als sie zu Beginn des Jahres den Beschluss fassten, 49 Prozent ihres Krankenhauses an Rhön zu verkaufen.

          Im Übrigen ist zu fragen, was sie sonst noch wussten. Manche von ihnen saßen im Aufsichtsrat, als die Schulden von Jahr zu immer höher wurden. Haben sie ihre Kontrollfunktion wirklich in ausreichendem Maße wahrgenommen? Tun sie es jetzt - endlich?

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

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