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Islamistische Gefährder : Nach Syrien und zurück

  • -Aktualisiert am

Vor Gericht: Ein sogenannter Syrien-Rückkehrer muss sich der Justiz stellen (Symbolbild). Bild: dpa

Die Razzien gegen islamistische Netzwerke in Hessen zeigen, dass der Geist des IS noch präsent ist. Der wachsame Blick auf Gefährder darf nicht schwinden. Ein Kommentar

          Wer hat denn nun recht? Donald Trump oder die Islamisten, die immer noch in den Dschihad nach Syrien ziehen wollen? Während der amerikanische Präsident behauptet, der Islamische Staat sei endgültig besiegt, werden – wie gestern in der Rhein-Main-Region – weiterhin junge Frauen und Männer unter dem Verdacht festgenommen, sie hätten geplant, sich dort den Terroristen anzuschließen.

          Trump wird das wenig kümmern. Er hat mit seiner Forderung, Europa, insbesondere Großbritannien, Frankreich und Deutschland, müssten die Fanatiker zurücknehmen und bestrafen, wieder einmal für Turbulenzen gesorgt. Wenn er aber nicht auf Cowboy-Methoden besteht und jene, von denen seine Geheimdienste meinen, sie stammten aus Deutschland, einfliegen lässt, dann wird voraussichtlich erst einmal wenig passieren.

          Freiwillig in Heimat zurückkehren

          Denn der deutsche Rechtsstaat wird sich voraussichtlich sehr schwer mit solchen Hauruck-Methoden tun. Falls überhaupt, dann werden wohl die meisten der überwiegend von kurdischen Kämpfern festgesetzten „Gotteskrieger“, notgedrungen, freiwillig in die Heimat zurückkehren. Eine hier drohende Verurteilung wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung dürften viele eher in Kauf nehmen, als ein Dasein in einer Gefängniszelle in Syrien zu fristen – unter vermutlich sehr schlechten Bedingungen und in der Angst, mit dem Tode bestraft zu werden.

          Wenngleich somit auch dieser Tweet von Trump bei Lichte betrachtet an Dramatik verliert, macht er doch bewusst, wie wenig man sich vom internationalen Terrorismus abkoppeln kann. Die relative Ruhe, die in den vergangenen Monaten herrschte, darf nicht darüber hinweg täuschen, wie sehr auch in Deutschland und somit in Hessen die Sicherheit von Entwicklungen in den Krisengebieten abhängt.

          Es wird weiter eines großen Aufwands bedürfen, die islamistische Szene zu beobachten und sogenannte Gefährder daran zu hindern, dass sie die Anschläge, die man ihnen per se zutraut, zu verüben. Das gilt erst recht für jene, die am Ende tatsächlich aus Syrien oder dem Irak zurückkehren sollten. Geläutert werden die wenigsten sein. Eine zweite Chance werden aber auch sie von dem Gemeinwesen bekommen, in dem sie nicht mehr leben wollten.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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