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Plastikfrei leben : Die Wirte, das Plastik, die Gäste

Verpönt: Strohhalme aus Plastik (Symbolbild) Bild: dpa

Es liegt im Trend, sich umweltbewusst zu verhalten und auf Produkte aus Plastik zu verzichten. Verbraucher müssen handeln. Ein Kommentar.

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          Weniger Plastik verwenden. Diesen Vorsatz haben wahrscheinlich viele, die regelmäßig ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn sie ihren gelben Sack auf die Straße stellen oder den Deckel ihrer gelben Tonne aufmachen. Und ihnen wieder einmal bewusst wird, wie viel Verpackungsmaterial in einem Haushalt so anfallen kann, auch in einem, der um umweltbewusstes Verhalten bemüht ist.

          Ähnlich ergeht es offenbar einigen Gastronomen, nicht nur in Frankfurt. Wenn sie sich dann bemühen, ihren Gästen einen Wandel schmackhaft zu machen, den sie selbst vollzogen haben, ist das grundsätzlich gut. Ob ein Verzicht auf Einwegtrinkhalme auf dem Weg zur Eindämmung der Plastikfluten ein großer oder ein kleiner Schritt ist, steht allerdings dahin. Wenn ein Konzern wie Starbucks ankündigt, er wolle auf Strohhalme aus Kunststoff verzichten, muss man vielleicht so lange nicht laut applaudieren, wie er mit Milliarden Einwegbechern für Kaffee zur Vermüllung der Welt beiträgt.

          Kunde werden oder eben nicht

          Dass, wie so oft, auch in diesen Fällen die Verbraucher das Heft des Handelns in der Hand haben mit der Möglichkeit, da Kunde zu werden oder dort oder eben nicht: sicherlich nicht neu, aber immer noch wahr. Wer sich einen Kaffee zum Mitnehmen kauft, ihn beim Gehen oder in der S-Bahn schlürft und den Becher samt Plastikdeckel dann wegwirft, der weiß vermutlich, was er tut.

          Wer sich im Eissalon seines Vertrauens die kalten Kugeln statt auf eine Waffel in eine Plastikschale häufeln lässt und das Eis mit einem schön bunten Plastiklöffel isst, der weiß es auch. Und würde vermutlich auch wiederkommen, wenn die Eisdiele plastikfrei würde. Schön deshalb, dass es zunehmend Betriebe gibt, die immerhin erste Schritte unternehmen.

          Keine Strohhalme aus Kunststoff mehr einzukaufen und an Gäste auszugeben und damit nicht zu warten, bis es vielleicht irgendwann sowieso nicht mehr erlaubt ist: eine gute Sache. Der Markt für den Außerhausverzehr ist riesig, die Möglichkeiten ökologischer Verbesserungen sind entsprechend groß. Umweltverbände jedenfalls wird jeder Gastronom, der seinem Publikum einen wiederverwendbaren Halm aus Bambus oder Glas ins Getränk steckt, auf seiner Seite haben. Auch der Gast übrigens, der das Allereinfachste macht und seinen Drink ohne Halm bestellt, das geht ja auch.

          Jacqueline Vogt

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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