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Kommentar zu Opel-Plänen : Rüsselsheimer Blitzattacken

Vor der Aufspaltung: Opels Entwicklungszentrum in Rüsselsheim Bild: Reuters

Um 2000 Opel-Ingenieuren einen Wechsel schmackhaft zu machen, bedarf es Vertrauen. Wie zu hören ist, kehrt so manch einer dem Autobauer schon jetzt gern den Rücken. Selbst ohne Abfindung. Aber vielleicht will das Opel-Management genau das.

          Eines beherrschen sie im Adam-Opel-Haus in Rüsselsheim richtig gut: dichthalten. Vor der Bekanntgabe der Übereinkunft mit dem französischen Entwicklungsdienstleister Segula ist kein Raunen nach außen gedrungen. Der Autobauer hat mit den hierzulande nahezu unbekannten Franzosen seine strategische Partnerschaft derart verschwiegen ausgehandelt, dass selbst Arbeitnehmervertreter mit kurzem Draht zu Opel ziemlich überrascht sind.

          Das ist erst einmal nicht schlimm. Schließlich sind Verträge dieser Art Chefsache. Ob es aber klug ist, eine solch weitreichende Angelegenheit an der IG Metall vorbei zu regeln, ist die andere Frage. Zweifel sind erlaubt. Die deutsche Tochter der Peugeot-Mutter PSA verkündet mit Blick auf den angestrebten Übergang von bis zu 2000 Mitarbeitern des Entwicklungszentrums keck: „Der bis Juli 2023 vereinbarte Kündigungsschutz für die Beschäftigten hat weiterhin Bestand.“ Dabei gibt es noch gar keinen Tarifvertrag zu diesem Thema.

          Auf vollen Touren

          Und nicht nur das: Bevor der Betriebsübergang geregelt werden kann, muss es eine Übereinkunft zur Betriebsaufspaltung geben. Schließlich soll ein Teil des Entwicklungszentrums an Segula übergehen. Wenn Arbeitnehmerschaftvertreter nun ätzen, die Propagandaabteilung von Opel arbeite auf vollen Touren, darf das nicht verwundern.

          Die angestrebte Partnerschaft mag ja sinnvoll sein. Fraglos muss Opel für seine Ingenieure außerhalb des PSA-Konzerns nach neuer Arbeit suchen. Denn die Aufträge von der früheren amerikanischen Konzernmutter General Motors laufen mit der Zeit aus – und neue kommen aus Detroit nicht nach. Allein mit den 15 Kompetenzzentren in Rüsselsheim zur Entwicklung neuer Sitze, Gurtsysteme und Brennstoffzellen für E-Autos kommt die Marke mit dem Blitz nicht sehr weit. Schließlich werden Opel-Autos künftig auf wenigen PSA-Plattformen inklusive Teilen des Fahrwerks, der Karosserie und anderer Bauteile fußen.

          Um aber Ingenieuren einen Wechsel in die neue Gesellschaft schmackhaft zu machen, bedarf es Vertrauen. Daran scheint es zu mangeln: Wie zu vernehmen ist, kehrt so manch einer dem Rüsselsheimer Autobauer schon gern den Rücken. Selbst ohne sechsstellige Abfindung. Aber vielleicht will das Opel-Management genau das.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

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