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Kommentar zu Wahlpannen : Wahlhelfer als Schutzschilde

Haben Schutz verdient: Wahlhelfer, die ihre Tätigkeit als Dienst an der Demokratie verstehen (Symbolbild). Bild: dpa

Es sei falsch, ehrenamtliche Helfer zu kritisieren und für die Pannen bei der Hessenwahl verantwortlich zu machen, sagen die Polit-Profis. Ihre zur Schau getragene Verteidigung dient dabei vor allem dem eigenen Schutz.

          Die Vertreter der Stadt Frankfurt und des Landes Hessen mögen in der Frage, warum bei der Auszählung der Landtagswahl so einiges schiefgelaufen ist, noch so weit auseinanderliegen – in einem sind sie sich einig: Es sei falsch, jetzt die ehrenamtlichen Wahlhelfer zu kritisieren. Das seien eben keine Profis, sagt etwa die Frankfurter Kreiswahlleiterin. Und der Landeswahlleiter weist darauf hin, dass am Wahlabend 50.000 Ehrenamtliche die Stimmen ausgezählt hätten. Fehler könnten passieren, aber „das muss die Demokratie aushalten“.

          Der Gegensatz von Ehrenamtlichen und Profis stimmt nur bedingt. Millionen von ehrenamtlichen Trainern, Chorleitern und Vereinsfunktionären leisten professionelle Arbeit. Die Frage, die sich nach der Wahl stellt, ist vielmehr die, ob sich die Profis aus Politik und Verwaltung amateurhaft verhalten haben. Auf jeden Fall wirkt es so, als diene die zur Schau getragene Verteidigung von Wahlhelfern vor allem dem eigenen Schutz.

          Ein unerfreulicher Abend

          Diesen Eindruck haben auch viele Ehrenamtliche, die den 28. Oktober teils bis spät in die Nacht in den Wahllokalen verbracht haben. Dass es für sie ein unerfreulicher Abend war, lag an den angeblichen Profis, etwa jenen, die für das „Wahlweb Hessen“ verantwortlich sind. Weil das System streikte, ließen sich die Ergebnisse aus den Wahllokalen nicht eingeben. Das führte zu einem solchen Durcheinander, dass manche Resultate ganz ausblieben und einfach die Ergebnisse aus Nachbarbezirken übernommen wurden.

          Begründet wird diese Praxis, die zu eklatanten Abweichungen des vorläufigen Ergebnisses vom tatsächlichen Wählerwillen führte, damit, dass es sonst kein landesweites Resultat gegeben hätte. Man mag das Vorgehen nachvollziehen oder nicht – auf jeden Fall sind sogenannte Profis dafür verantwortlich. Genauso wie für die Kommunikation nach der Wahl. Statt umgehend darauf hinzuweisen, dass die veröffentlichten Stimmergebnisse teils grotesk verzerrt sind und erheblich korrigiert werden müssen, wurden die Wähler im Unklaren gelassen.

          Das führt zur Frage, ob die Demokratie, wie der Landeswahlleiter es ausdrückt, das wirklich aushalten muss. Die Antwort lautet: nein. Sie sollte es nicht aushalten müssen. Die Pannen am Wahlabend und das intransparente Vorgehen danach liefern jenen die Argumente, die an der Legitimität demokratischer Verfahren insgesamt zweifeln oder Zweifel daran säen wollen. Davor sollten die ehrenamtlichen Wahlhelfer, die ihre Tätigkeit als Dienst an der Demokratie verstehen, tatsächlich geschützt werden. Möglichst professionell.

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

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