https://www.faz.net/-gzg-782xy
 

Kommentar zu Ostermärschen : Ein bisschen Friedensbewegung

  • -Aktualisiert am

Wie ein laues Windchen zu einem Orkan, so verhielt sich die Teilnahme an den Ostermärschen der vergangenen Jahre zu der Massenbewegung am Anfang der achtziger.

          1 Min.

          Wie ein laues Windchen zu einem Orkan, so verhielt sich die Teilnahme an den Ostermärschen der vergangenen Jahre zu der Massenbewegung am Anfang der achtziger. In Frankfurt war damals der Römerberg schwarz vor Menschen. Zur Abschlusskundgebung 1982 kamen nach Angaben der Veranstalter 50.000 Demonstranten, die Polizei schätzte ihre Zahl immerhin auf 20.000. In diesem Jahr handelte es sich nach freundlichen Schätzungen um ein Zehntel.

          1982 war auch das Jahr, als in Harrogate eine Siebzehnjährige mit blondem Engelshaar in einer Art Kommunionkleid ein Liedchen klampfte, das berühmt wurde. Der Siegertitel des Grand Prix hatte den schlichten Refrain: „Ein bisschen Frieden, ein bisschen Sonne für diese Erde, auf der wir wohnen“ - und traf einen Nerv. Ein bisschen Frieden, dieser Wunsch bewegte tatsächlich die Herzen und Nerven der Menschen. Denn es ging um den Doppelbeschluss der Nato, um das Aufstellen amerikanischer Mittelstreckenraketen, die auf Moskau zielten, als Antwort auf die russischen SS-20, deren atomare Ladung die achtzigfache Kraft der Hiroshima-Atombombe hatte.

          Kein bisschen Frieden für die DFU

          Die Massenbewegung für den Frieden brachte die stolze Zahl von vier Millionen Menschen dazu, den „Krefelder Appell“ zu unterzeichnen. Initiiert worden war dieser Aufruf an die Bundesregierung, das Wettrüsten zu beenden, von der Deutschen Friedens-Union. Deren Landesgeschäftsführer war seit 1976 ein gewisser Willi van Ooyen, der auch in Frankfurt zu den Organisatoren der Ostermärsche gehört. Heute ist Willi van Ooyen Landtagsabgeordneter der Linkspartei, damals wurde er von der DDR finanziert. Wissende übersetzten DFU damals als „Die Freunde Ulbrichts“.

          Von der SED erhielt die DFU damals pro Monat 277.000 Mark, ihre Zeitung 125.000, das machte im Jahr fast fünf Millionen. Mit dem Untergang der DDR rutschte auch die DFU in die Verlustzone. Willi van Ooyen gab der „tageszeitung“ zu Protokoll: „Durch die Entwicklung in der DDR ist eine entscheidende Finanzquelle überraschend versiegt.“

          Solche Details sollte im Kopf haben, wer die Ostermarschbewegung in ihrem Auf und Ab über die Jahre beobachtet. Kein bisschen Frieden für die DFU. Aber Sonne für alle.

          Weitere Themen

          ICE-Strecke Köln-Frankfurt gesperrt

          Zugverkehr : ICE-Strecke Köln-Frankfurt gesperrt

          Wegen eines Notarzteinsatzes in der Nähe von Limburg sind am Montagabend keine ICE zwischen Köln und Frankfurt gefahren. Die Deutsche Bahn rechnet mit erheblichen Verspätungen.

          Ohne Nähe kein Theater

          Privatbühnen in Corona-Krise : Ohne Nähe kein Theater

          Für Komödie, Rémond Theater und andere Privatbühnen in Frankfurt ist die Lage höchst prekär: Prinzipal Claus Helmer und sein Schauspieler Stefan Schneider im Corona-Modus

          Topmeldungen

          Milliardenhilfe : Gegenwind für die Lufthansa-Rettung

          Nach langen Verhandlungen einigen sich Bundesregierung und Lufthansa auf ein Rettungspaket aus Steuergeldern. Brüssel sagen die Pläne aber nicht zu. Kanzlerin Merkel will kämpfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.