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Neubau von Rechenzentrum : Ein erster Versuch

Landmarke: Noch ist es eine Simulation, in einem Jahr wird dieser Bau am Ratswegkreisel stehen. Bild: Interxion

Die Firma Interxion plant den Bau eines neuen Rechenzentrums. Diesmal aber ohne übliche Zweckarchitektur, sondern mit einer architektonisch anspruchsvollen Fassade.

          Dass früher alles besser war, ist bekanntlich ein Irrtum. In einer Hinsicht gilt der Satz jedoch ohne jeden Zweifel: für die Qualität von Industriearchitektur. Man nehme nur das sinnfälligste Frankfurter Beispiel: Wann hätte ein hiesiges Unternehmen der Pharma- und Chemiebranche in den vergangenen 30 Jahren einen Bau mit dem gestalterischen Anspruch des Hoechst-Verwaltungsgebäudes von Peter Behrens errichtet?

          Und wo ist das neue Produktionsgebäude vom Rang der einstigen Adlerwerke im Gallusviertel, die sich mit ihrer fein gegliederten, repräsentativen Fassade an einer städtischen Straße sehen lassen können? Statt Klinker oder Naturstein herrschen heute Blechpaneele und Billigputz vor; die äußere Erscheinung folgt entweder dem Zufall oder vermeintlichen betrieblichen Notwendigkeiten, aber nicht ästhetischen Kategorien.

          Banale Kiste

          Auch die öffentliche Hand hat ihren Anspruch auf vorbildhaftes Bauen im gewerblichen Sektor längst aufgegeben. Man vergleiche nur die prächtige Großmarkthalle von Martin Elsaesser im Ostend mit der banalen Kiste namens Frischezentrum am Bad Homburger Kreuz.

          Letzteres Beispiel zeigt schon, dass es nicht allein ums Geld geht. Die Stadt war zu Elsaessers Zeiten viel ärmer, als sie es heute ist. An den Architekten allein kann es auch nicht liegen. Das Frischezentrum wurde vom Büro Gerkan, Marg und Partner entworfen, das reihenweise ansehnliche Gebäude errichtet hat.

          Dass die Industriebaukultur am Boden liegt, muss mit der Haltung der Unternehmen zu ästhetischen Fragen zusammenhängen. Offenbar ist es vielen Managern einerlei, wie sich ihr Betrieb nach außen präsentiert. Das geht nicht an, weil Gebäude stets in den öffentlichen Raum hinein wirken und die Aufenthaltsqualität der Umgebung beeinflussen. Geschmack ist in diesem Fall nicht privat.

          Es ist daher gut, dass das Frankfurter Planungsamt nun in Gesprächen mit einem Rechenzentren-Betreiber darauf gedrungen hat, dass sich dessen neuester Bau nicht als hermetischer Kubus präsentiert. Immerhin drängt er sich mit seiner Lage am Ratswegkreisel ins Gesichtsfeld von Tausenden Autofahrern am Tag. Das Ergebnis der Intervention ist jedoch erschütternd. Entstanden ist Architektur, wie man sie selbst im Gewerbegebiet von, sagen wir, Gummersbach nicht sehen möchte. Möge dem Planungsamt künftig mehr Erfolg in seinen lobenswerten Bestrebungen beschieden sein.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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