https://www.faz.net/-gzg-9jvo6

Missbrauch in der Kirche : Druck von unten, Antworten von oben

Unter Druck: das Bistum Limburg Bild: dpa

Das Bistum Limburg versucht Licht in das Dunkel zum Thema Missbrauch zu bringen. Das ist bemerkenswert und nicht zu überschätzen. Deutlich geworden ist aber auch, dass das nur ein Anfang sein kann.

          Es ist ungewöhnlich, eine Selbstverständlichkeit zu loben, aber was in der katholischen Kirche ist schon selbstverständlich? Für eine Institution, die jahrzehntelang alles dafür tat, um sexuellen Missbrauch durch Priester und andere Mitarbeiter zu decken, zu vertuschen und kleinzureden, ist das, was das Bistum Limburg in dieser Woche beispielhaft begonnen hat, ein Riesenfortschritt. Für eine Frankfurter Pfarrei nahmen sich der Personaldezernent und der Präventionsbeauftragte des Bistums zweieinhalb Stunden Zeit, um dort Licht in das Dunkel aus Gerüchten, Halbwissen und Mutmaßungen zum Thema Missbrauch zu bringen.

          Das allein ist bemerkenswert und in seiner Bedeutung für die vielen verunsicherten Katholiken im Land nicht zu überschätzen. Dass es für alle schmerzhaft ist, an ein derart schlimmes Thema wie den jahrelangen Missbrauch Jugendlicher durch Priester zu rühren, steht außer Frage. Der Schmerz nimmt aber nicht ab, wenn weiter Schweigen herrscht. Nur durch das Aufarbeiten jedes einzelnen Falls können sich die Wunden irgendwann schließen.

          Nur ein Anfang

          Zum ersten Mal kommen nun zwei Dinge zusammen. Auf der einen Seite steht das Bistum Limburg, dessen Führungspersonal für viele glaubhaft bekundet, ernsthaft an Transparenz interessiert zu sein. Auf der anderen Seite gibt es immer mehr selbstbewusste Laien in den Pfarreien, die sich nicht mehr mit halbgaren Erklärungen und offenkundigen Lügen zufriedengeben. Das liegt auch daran, dass sie wissen: Kehren auch sie noch der katholischen Kirche den Rücken, ist bald niemand mehr da, der einer Seelsorge bedarf. Während oben also die Bereitschaft zur Aufklärung wächst, nimmt von unten her der Druck zu.

          Deutlich geworden ist am Mittwochabend in der Frankfurter Pfarrei St. Marien aber auch, dass eine solche Veranstaltung nur ein Anfang sein kann. Nicht mehr – aber endlich auch nicht weniger. Deshalb tut der Limburger Bischof Georg Bätzing gut daran, dem Wunsch jeder Gemeinde nach einer Diskussion zum Thema Missbrauch nachzukommen.

          Dass in solchen Sitzungen keine Details aus laufenden Strafverfahren bekanntgemacht werden dürfen, weil die Persönlichkeitsrechte der Verdächtigen gewahrt bleiben müssen, ist in einem Rechtsstaat selbstverständlich. Genauso selbstverständlich, wie jeden einzelnen Missbrauchsfall umgehend der Staatsanwaltschaft zu übergeben.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Karfreitag in Nordirland : Ein Tag der Trauer

          Dass es in Nordirland seit mehr als zwanzig Jahren weitgehend friedlich geblieben ist, gehört zu den großen Leistungen der Politik. Doch mit dem Mord an einer Frau in Londonderry ist die Gefahr für den Frieden wieder einmal deutlich geworden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.