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Kommentar zu Mainz 05 : Von wegen Motzki

Gegen Bremen sagte Tuchel der vierten Unparteiischen Steinhaus die Meinung, weil er seine Mannschaft benachteiligt sah
          2 Min.

          Sky hatte am Samstagabend mal wieder viel Sendezeit. Irgendein Verantwortlicher des Fernsehsenders, der die Rechte an der Liveübertragung aller Bundesligaspiele erworben hat, kam nämlich vor Saisonbeginn auf die grandiose Idee, die Topspiele des Samstags mit einem einstündigen Vorlauf zu würdigen. Dass die vermeintlichen Spitzenbegegnungen, also jene Spiele, die samstags um 18.30 Uhr angepfiffen werden, nur selten wirklich Topspiele sind und entsprechend wenig Gesprächsstoff liefern, erschwert die Programmgestaltung.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          So war das auch bei der Begegnung zwischen Mainz 05 und Werder Bremen. Also galt es mal wieder, die übertriebene Zahl von vier Experten, die uniformiert - gleicher Anzug, gleiche Krawatte - wie eine Karikatur des Expertenwesens an ihrem thekengleichen Schreibtisch sitzen, mit Diskussionen über Nichtigkeiten zu beschäftigen. Die Nichtigkeit des Abends war das angeblich so rüpelhafte Verhalten des Mainzer Trainers Thomas Tuchel, das der Sender in einem langen Filmbeitrag mit einigen aktuellen und vielen alten und noch älteren Bildern zu belegen versuchte.

          Emotional an der Seitenlinie

          Tuchel hat sich zwar in jüngster Zeit gar nicht mehr so unpassend verhalten wie beispielsweise in der Vorsaison - als er tatsächlich manches Mal derart übers Ziel hinausschoss, dass er mit seinen allzu häufigen Wortgefechten mit dem vierten Offiziellen überflüssige Nebenschauplätze eröffnete. Auch jetzt geht der 38 Jahre alte Fußballlehrer immer noch bei seinem Coaching emotional an der Seitenlinie mit; natürlich beschwert er sich bei vermeintlichen Fehlentscheidungen zu Ungunsten seines Teams. Am Samstag steigerte sich der Trainer, der sich freimütig als „schlechten Verlierer“ bezeichnet, womöglich zu sehr in einen Protest gegen ein übersehenes Foulspiel an seinem Spieler Maxim Choupo-Moting hinein. Das ist allerdings sein gutes Recht, und Tuchel führt sich dabei nicht schlimmer auf als alle anderen Trainer im Zustand höchster persönlicher Erregung während eines Spiels.

          Und jetzt hat auch noch der Boulevard das Thema entdeckt - weil ein Aufreger in der Berichterstattung über das abgestürzte, nun in neun Bundesligaspielen in Serie sieglose Überraschungsteam der Vorsaison ganz gelegen kommt. Er kürte Tuchel zum „Motzki“. Reflexartig folgte „Sky“ und ließ seinen Experten Markus Merk darüber spekulieren, dass Tuchel mit der schwierigen Situation überfordert sei. Jan Age Fjörtoft durfte mutmaßen, dass Tuchel sich zum Clown mache, den die Spieler nicht mehr ernst nehmen könnten. Am Abend setzte das „Aktuelle Sportstudio“ im ZDF die Diskussion im Interview mit Tuchel fort, weil es ja so schön bequem ist, die populistische Vorarbeit zu verwerten.

          Die Situation verlangt dem Mainzer Trainer inzwischen eine gehörige Portion Gelassenheit ab, damit er nicht im Nachhinein das Bild des „Motzkis“ durch unbedachtes Handeln bestätigt. Die Diskussionen über seine emotionalen Aufwallungen wird er vermutlich erst wieder los, wenn seine Mannschaft wieder siegt. Da hilft kein Motzen.

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