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Kommentar zum ICE-Tunnel : Misslungener Auftakt

Tunnel unter Frankfurt: Künftig könnten ICE-Züge schneller durch die Stadt kommen. Bild: Frank Röth

Die Kommunikation des Verkehrsministeriums zu dem geplanten Fernverkehrstunnel unter Frankfurt überzeugt nicht. Es wäre dringend geboten, dass sich einmal ein Staatssekretär, gerne auch der Minister höchstpersönlich, an den Main bequemt und den Plan umfassend erläutert. Ein Kommentar

          Alle behaupten, aus dem Desaster rund um Stuttgart 21 hätten sie gelernt. Zum Beispiel, dass es klug sei, bei Großvorhaben früh die Öffentlichkeit einzubinden. Leider zeigt das Beispiel des neuerdings geplanten Fernverkehrstunnels unter Frankfurt, dass zwischen Sonntagsreden und Alltagshandeln weiter eine Lücke klafft.

          Die Idee, unter der Innenstadt einen Tunnel zu graben, damit ICE-Züge schneller durch die Stadt kommen und dem überlasteten Hauptbahnhof zusätzliche Kapazitäten zuwachsen, ist überzeugend. Aber auch sie wird natürlich hinterfragt werden. Es gibt kein Infrastrukturprojekt, das ausschließlich Vorteile hat, irgendwer wird einen Preis zahlen. Selbst wenn es also lange dauern mag, bis die Tunnelbauer anrücken, kann es nicht falsch sein, frühzeitig in eine Diskussion einzutreten.

          Späte und einsilbilge Antworten

          Was aber geschieht? Das Bundesverkehrsministerium teilt die Idee geradezu beiläufig in einer Liste von mehreren Dutzend Infrastrukturprojekten in Deutschland mit. Auf telefonische Anfragen wird gar nicht, auf schriftliche nach mehreren Wochen einsilbig reagiert. Jetzt hat die Beantwortung einer kleinen Anfrage der Linken-Fraktion im Bundestag weitere Details ans Licht befördert. Manager der Deutschen Bahn äußern sich gar nicht.

          So geht es nicht. Bei diesem Großprojekt, das immerhin freundliche Aufnahme in den Koalitionsvertrag von CDU und Grünen in Wiesbaden gefunden hat, löst jede knappe Beantwortung der einen Frage drei neue Fragen aus. Es wäre dringend geboten, dass sich einmal ein Staatssekretär, gerne auch der Bundesverkehrsminister höchstpersönlich, an den Main bequemt und den spektakulären Plan umfassend erläutert. Niemand wird so einem Gast verübeln, dass er keine Detailplanung vorlegen kann. Aber es kann auch nicht so sein, dass der Dialog auf Dauer so läuft wie früher Fernschach, als sich die Spieler noch die Züge per Postkarte schickten.

          Wenn es so weitergeht, besteht die Gefahr, dass die Pläne, kaum dass sie aufgekommen sind, wieder in der Schublade verschwinden. Das Verrückte ist: Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) kann bei dem Thema überhaupt nicht verlieren. Denn bis für solch ein Riesenprojekt die notwendigen Milliarden bereitzustellen sind, fließt ohnedies noch viel Wasser den Main hinunter. Umso erstaunlicher, wie bürokratisch und wenig bürgernah sich das Ministerium bisher verhält.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

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