https://www.faz.net/-gzg-8yoaq
 

Kommentar : Fatale Zahl zu Städtischen Bühnen

  • -Aktualisiert am

Bruchstückhaft: Im Untergrund der Städtischen Bühnen zeigen sich Risse Bild: Frank Röth

Ein Neubau der Städtischen Bühnen in Frankfurt könnte 900 Millionen Euro kosten. Es geht um eine Investition in die Zukunft der Stadt und nicht um eine unangemessene Erhöhung der Kulturzuschüsse.

          1 Min.

          Die Zahl hat es in sich. Auf 900 Millionen Euro wird der Um- oder Neubau der Städtischen Bühnen Frankfurt veranschlagt. Fachleute haben der Theaterdoppelanlage bescheinigt, völlig marode zu sein, eine Sanierung, so heißt es, komme genauso teuer wie ein kompletter Abriss und die Errichtung einer neuen Spielstätte.

          Dass bei der Höhe dieser Summe das politische Erregungspotential sinkt, versteht sich von selbst. Dabei birgt die Situation Chancen zur Stadtentwicklung, die Frankfurt in der Konkurrenz mit anderen europäischen Metropolregionen einen klaren Standortvorteil verschaffen könnten. Eine außergewöhnliche Architektur in der Mitte der Stadt erhöht die Attraktivität einer Großkommune ungemein, wie die Beispiele von Hamburg bis Bilbao belegen.

          Ein noch nie dagewesenes Gebäude

          Statt für viel Geld das Bestehende zu flicken, wäre es vermutlich besser, die Mittel in ein noch nie dagewesenes Gebäude zu stecken, das vom Selbstbewusstsein Frankfurts im 21. Jahrhundert zeugt. Es geht um das künftige Stadtbild. Und um die kulturelle Identität, für die das Theater nach wie vor eine entscheidende Rolle spielt. Frankfurt sollte nicht in seinen oft zur Schau gestellten Kleinmut verfallen.

          In der öffentlichen Wahrnehmung dürften die Kosten für die bauliche Erneuerung der Städtischen Bühnen unter Ausgaben für die Kultur verbucht werden. Das wäre fatal. Ist allerdings zu befürchten. In Frankfurt droht daher der kulturpolitische Spielraum eng zu werden. Die Zahl, die nicht mehr weit von der Milliarde entfernt ist, hat das Zeug, alles, was sonst noch auf der Kulturagenda steht, zur Makulatur werden zu lassen.

          Eine unvorstellbare Summe: Was man für 900 Millionen Euro noch bauen könnte.
          Eine unvorstellbare Summe: Was man für 900 Millionen Euro noch bauen könnte. : Bild: F.A.Z.

          Über das Museum der Weltkulturen wird wohl nicht einmal mehr diskutiert werden, auch die Wiedereinführung von Ankaufsetats in den städtischen Museen rückt womöglich in weite Ferne, wenn der Verweis auf die Sanierungskosten zum Totschlagargument wird. Und was ist mit dem Kinder- und Jugendtheater? Womöglich wäre es am sinnvollsten, es in den Bühnenkomplex am Willy-Brandt-Platz zu integrieren.

          Die horrende Zahl, die im Umlauf ist, darf nicht dazu führen, der Frankfurter Kulturpolitik die Luft zum Atmen zu nehmen. Es geht um eine Investition in die Zukunft der Stadt und nicht um eine unangemessene Erhöhung der Kulturzuschüsse. Es müsste auch im Interesse der Politik sein, dies den Bürgern, denen ob der 900 Millionen das Hören und Sehen vergeht, zu vermitteln.

          Weitere Themen

          Die Welt reparieren

          Museum für Moderne Kunst : Die Welt reparieren

          Im Museum für Moderne Kunst können die Besucher in der neuen Ausstellung „Crip Time“ unterschiedliche Zeiterfahrungen für Menschen mit und ohne Behinderungen erleben. Dafür setzt das Museum beim eigenen Haus an.

          Bierflaschen auftreten Video-Seite öffnen

          Livehack : Bierflaschen auftreten

          Es gibt viele Möglichkeiten, Bierflaschen aufzumachen. Mit dem Feuerzeug, am Bierkasten oder auch mit dem zwölfer Schraubschlüssel aus der Werkzeugkiste. Es geht aber auch spektakulärer, wie F.A.Z.-Redakteurin Marie Lisa Kehler zeigt.

          Topmeldungen

          Wer hat am ende gut Lachen? Olaf Scholz, Annalena Baerbock und Armin Laschet vor dem zweiten TV-Triell am vergangenen Wochenende

          Scholz, Laschet und Baerbock : Wie schlagen sich die Kandidaten im letzten Triell?

          Eine Woche vor der Bundestagswahl stehen sich Armin Laschet, Olaf Scholz und Annalena Baerbock im dritten und letzten TV-Triell gegenüber. Wer überzeugt auf den letzten Metern des Wahlkampfs? Der Schlagabtausch im Liveticker.
          Christian Lindner beim FDP-Parteitag am Sonntag in Berlin.

          FDP vor der Wahl : Lindner will Stimmen aus Überzeugung, nicht aus Kalkül

          Die Freidemokraten sinnieren darüber, wer sie wählt und warum. Aus Taktik sollten die Leute nicht für die FDP stimmen, sagt Parteichef Lindner. Doch die Vorzeichen haben sich während des Wahlkampfs dramatisch verändert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.