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Ausgezeichnete Arbeit: Katharina Iskandar berichtet über Fälle von Rechtsextremismus und Terrorismus im Rhein-Main-Gebiet.

Kommentar zu Fußball-Randale : Den Vereinen fehlt der Mut

Der „Katalog der Selbstverständlichkeiten“, der als Verhaltenskodex dienen sollte, wurde in der gewalttätigen Fanszene belächelt Bild: REUTERS

Die Idee, dass sich Fußballvereine an den Kosten von Polizeieinsätzen beteiligen sollen, ist nicht neu. Der hessische Innenminister hat gute Argumente. Hat die gewalttätige Fanszene doch die Verhaltenskodizes belächelt.

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          Die Idee, dass sich Fußballvereine an den Kosten von Polizeieinsätzen beteiligen sollen, ist nicht neu. Sie wird alle Jahre wieder vorgetragen, dann aber aus unterschiedlichen Gründen wieder verworfen. Nun hat Innenminister Boris Rhein (CDU) den Vorstoß abermals gewagt - zu einer Zeit, in der das Thema Gewalt im Fußball nicht zuletzt durch den Sicherheitsgipfel in Berlin ohnehin auf der Tagesordnung steht.

          Rhein führt gute Argumente an, vor allem die immens hohe Summe der Einsatzkosten selbst. 6,7 Millionen Euro, so hat das Ministerium errechnet, sind allein in der vergangenen Saison für Polizeieinsätze in den hessischen Stadien zusammengekommen. So viel muss der Steuerzahler zahlen, weil die Vereine es entweder aus Nachlässigkeit, Ignoranz oder Inkonsequenz nicht geschafft haben, ihre „Problemfans“ in den Griff zu bekommen.

          Die Verantwortung liegt bei den Vereinen

          Das prominenteste und beste Beispiel ist die Eintracht selbst. Der „Katalog der Selbstverständlichkeiten“, der als Verhaltenskodex dienen sollte, wurde in der gewalttätigen Fanszene belächelt. Und auch der zweite Versuch, mit einer Spendenaktion an die Moral der Fans zu appellieren, war erwartungsgemäß ein Flop. Vor Einschränkungen, die die Fans tatsächlich träfen, wie die nun von Rhein vorgeschlagene Verweigerung von Kartenkontingenten, schrecken die Vereine zurück.

          Dabei wird ihnen früher oder später ohnehin nichts anderes übrig bleiben, sollte sich die Zahl an Gewalttaten in Fußballstadien nicht drastisch reduzieren. Schon jetzt werden die Vereine mit Strafzahlungen belangt - ihren eigenen Angaben zufolge bis zur Schmerzgrenze. Es wird aber wohl noch härter für sie kommen, wenn nach dem Sicherheitsgipfel die Schrauben stärker angezogen werden. Die Verantwortung liegt jedoch bei den Vereinen selbst.

          Für die Eintracht gilt, dass Rhein weiterhin genau beobachten wird, wie kooperativ sich der Verein gibt. Spätestens in der nächsten Saison wird sich zeigen, ob der bisher zögerliche Vorstand den Mut hat, von sich aus härter durchzugreifen.

          Katharina Iskandar
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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