https://www.faz.net/-gzg-9h13n

Frankfurts Stadtentwicklung : Die letzten Reserven

Frankfurt platzt aus allen Nähten. Bezahlbarer Wohnraum wird immer seltener. Doch wie reagiert die Politik? Bild: obs

Frankfurts Wohnsituation wird immer prekärer. Doch die Politiker hadern mit wichtigen Beschlüssen. Dabei steht ein Stadtentwicklungskonzept schon bereit. Ein Kommentar.

          1 Min.

          Wie man auf den Fluren des Frankfurter Rathauses hört, ist das Istek 2030, kurz für Integriertes Stadtentwicklungskonzept, schon länger fertig. Aber die Fraktionen lassen sich mit der politischen Abstimmung über den Entwurf so viel Zeit, dass man meinen könnte, es gäbe in der Stadt keinen Wohnungsmangel. Es steht zu befürchten, dass es vor der offiziellen Veröffentlichung noch um jedes Konfliktpotential entschärft wird und am Ende ein reingewaschenes, belangloses Papier übrig bleibt.

          Dabei enthält das Istek einige vernünftige Ansätze: Erstens ist es grundsätzlich gut, dass sich die Ämter zusammensetzen und planen, wie sich die Stadt langfristig entwickeln soll. Sie sind das ganze Stadtgebiet systematisch durchgegangen, haben mehr als 200 Flächen geprüft und einen Bruchteil zur Entwicklung empfohlen. Diese Strategie ist richtig. Sonst nämlich droht die Planung immer wieder an den gleichen Diskussionen zu scheitern: Umwelt gegen Wohnen, Wohnen gegen Gewerbe, Gewerbe gegen Umwelt. Man dreht sich im Kreis und schaut den Mieten beim Steigen zu.

          Neue Gewerbegebiete

          Zweitens ist es an der Zeit, die Siedlungen der fünfziger und sechziger Jahre zu verdichten. Dort wurde verschwenderisch mit Platz umgegangen, man sollte sie aufstocken und ergänzen. Die Bewohner der Zeilenbauten, die ungeschützt dem Verkehrslärm ausgesetzt sind, können davon sogar profitieren. Weil die Siedlungen größtenteils in öffentlicher Hand sind, ist eine Verdichtung auch vergleichsweise einfach zu planen. In den übrigen Fällen muss die Stadt den Eigentümern ein Angebot machen, das sie nicht ablehnen können. Wer wehrt sich schon gegen eine höhere Ausnutzung?

          Drittens sollen in der Nähe der Autobahn drei neue Gewerbegebiete angelegt werden. Sie wären gut an den Verkehr angebunden und würden am Stadtrand nicht weiter stören. Ließen sich zudem Gewerbebetriebe aus der Innenstadt dorthin verlagern, könnten Freiräume für den Wohnungsbau entstehen. Die Immobilienbranche schielt auf den unteren Osthafen, dessen Gewerbenutzung allerdings auf Jahrzehnte vertraglich festgelegt ist.

          Obwohl das Konzept viele richtige Ansätze enthält, geht von ihm ein Signal der Abhängigkeit aus: Frankfurt wird seine Wachstumsprobleme nicht allein bewältigen können. Von den rechnerisch bis 2030 nötigen 90.000 Wohnungen sind allenfalls 60.000 zu schaffen. Auch das Umland ist gefordert.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Weitere Themen

          F.A.Z. übernimmt Patenschaft für Brüllaffen Video-Seite öffnen

          Jungtier im Frankfurter Zoo : F.A.Z. übernimmt Patenschaft für Brüllaffen

          Die Frankfurter Allgemeine Zeitung übernimmt eine Tierpatenschaft für einen schwarzen Brüllaffen aus dem Frankfurter Zoo. Herausgeber Carsten Knop und der stellvertretenden Zoodirektor Dr. Stefan Stadler erklären, wie es dazu kam.

          „Genua war der letzte Weckruf“

          Chaos für Pendler : „Genua war der letzte Weckruf“

          Die Salzbachtalbrücke stehe symptomatisch für Fehler der Vergangenheit, heißt es von der Bauindustrie. Am zweiten Werktag läuft der Verkehr etwas besser. Die Optionen für Pendler sind trotzdem überschaubar.

          Topmeldungen

          Auch in Ungarn sind nicht alle mit Orbans Politik einverstanden: Protest gegen das Gesetz zur Homosexualität am 14. Juni in Budapest

          Empörung aus dem Ausland : Viktor Orbáns Lebenselexier

          Von einer „Elite“, gegen die Viktor Orbán kämpfen könnte, ist in Ungarn wenig übrig. Deshalb setzt der Ministerpräsident darauf, dass seine Gesetzesvorhaben aus dem Ausland angegriffen werden.
          Das Wahlplakat der Grünen

          #Allesistdrin : Die schöne Welt mit Lastenrad

          Ein Wahlplakat der Grünen zeigt eine vierköpfige Familie, die mit einem Lastenfahrrad durchs Grüne fährt. Und es zeigt ein Problem, das die Partei in ihrer Ansprache hat.
          Objekt des Kulturkampfes von Liberalen und Konservativen: Schüler unterschiedlicher Hautfarbe in Großbritannien

          Britische Debatte um Weißsein : Wer ist hier benachteiligt?

          Der Bildungsausschuss des britischen Unterhauses rechnet mit dem Begriff des „white privilege“ ab. Benachteiligt seien weiße Arbeiterkinder in den Schulen. Aktivisten werfen den Konservativen Kulturkampf vor.
          Das beleuchtete Kriegsmahnmal in Wolgograd - dem früheren Stalingrad - am Abend des 21. Juni 2021

          Überfall auf die Sowjetunion : Die langen Nachwirkungen des Vernichtungskriegs

          Die von Deutschen im Krieg gegen die Sowjetunion verübten Gräuel müssen endlich die Beachtung finden, die ihnen angesichts ihres unglaublichen Ausmaßes zukommt. Nicht nur aus moralischen, sondern auch aus politischen Gründen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.