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Frankfurt hat Humor : Komische Kompetenz

Chef der Caricatura: Achim Frenz Bild: caricatura museum

Wer wegen der grauen Bankentürme Frankfurt für trist und humorlos hält, ist schief gewickelt. Mit der Caricatura präsentiert die Stadt sich von seiner heiteren Seite.

          Nun ist der eine den anderen los, und wir nehmen an, beide finden das mittlerweile auch besser so. Zwischen Caricatura-Chef Achim Frenz und Jan Gerchow, Leiter des Historischen Museums in Frankfurt, hat es einfach nicht gepasst. Und das Historische Museum ist auch ohne eine Dependance für die zeitgenössische komische Kunst eine gewichtige Institution mit einem derart reichen Bestand, dass es, wenn es das nur wollte, jederzeit eine große Schau über die grotesken, satirischen, skurrilen Seiten Frankfurts in Vergangenheit und Gegenwart zustande bekäme.

          Dass es solche gibt, ist manchen außerhalb der Stadt freilich gar nicht so recht klar. Zwischen den Bankentürmen scheint kein Raum für Ironie zu sein. In der nüchternen Großstadt mit der allenthalben sichtbaren Finanzindustrie gehe es, so denken vermutlich etliche, hart und gar nicht lustig zu, ein kaltes Herz schlage hier, das keine Witze dulde. Weit gefehlt. Die Kenner, und derer sind nicht wenige, wissen natürlich, dass es sich gerade andersherum verhält und zwischen dem harten Pflaster schon die schönsten Pflanzen des Humors emporgesprossen sind.

          Das Komische spielt eine wichtige Rolle

          Der Begriff der Hochkomik ist am Main entstanden: Die Dichter und Zeichner der Neuen Frankfurter Schule haben sich einst unter dem Zeichen des Elchs eingefunden, um in einer unverwechselbaren Mischung aus Weltläufigkeit und Lokalkolorit, literarisch-philosophischen Ansätzen und alltäglichem Wahnsinn eine komische Kunst zu kreieren, wie sie sonst nirgendwo im Land gedieh. Auch dank der Zeitschriften „Pardon“ (untergegangen) und „Titanic“ (weiterdampfend).

          Das Stadtmarketing, stets auf der Suche nach Alleinstellungsmerkmalen, hat noch gar nicht recht erkannt, mit was für einem Pfund es da wuchern könnte. Der Kulturpolitik aber ist jetzt offenbar ein Licht aufgegangen. Das Komische spielte und spielt in Frankfurt eine bedeutende Rolle, die in den Vordergrund zu rücken der Stadt gut anstünde.

          Dem Caricatura Museum mehr Freiheiten zu geben ist daher höchst vernünftig und ein Schritt, der unabhängig von den Streitereien zwischen den Museumsleuten vonnöten war. Neben dem Wilhelm Busch Museum in Hannover gibt es kein Haus in Deutschland, das sich der Karikatur in einer so umfassenden Weise widmet wie das Frankfurter. Der Genius Loci spricht für eine künftige Erweiterung von Sammlung und Ausstellungsfläche. Frankfurts komische Kompetenz erreicht keine andere Stadt.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

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