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Feldmann und die Awo-Affäre : Ein harter Schnitt

Klärungsbedarf: viele Fragen an Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann. Bild: Francois Klein

Der Frankfurter Oberbürgermeister hat endlich geredet. Das ist schön. Das Problem ist nur, dass Peter Feldmann wenig gesagt hat, das zur Aufklärung in der Awo-Affäre beitrüge.

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          Was den Dienstwagen seiner Frau angeht, der anderen in vergleichbarer Position nicht zugestanden hat, beließ es Feldmann bei Schwafeleien: Es wäre in diesem Punkt mehr Sensibilität seinerseits angebracht gewesen. Was immer das heißen mag.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Noch schlimmer sind Feldmanns Einlassungen zur Gehaltsfrage. Vor zehn Tagen kokettierte er in einem Interview noch mit seinem Selbstverständnis als emanzipierter Ehemann, der sich nicht die Bohne für die Einkünfte seiner Gattin interessiert, jetzt gesteht er in einem Brief an die städtischen Mitarbeiter ein, die hübsche Summe ziemlich genau gekannt zu haben. Mit anderen Worten: Feldmann hat die Öffentlichkeit belogen.

          Die verspätete Kommunikationsoffensive Feldmanns hat ihr Ziel spektakulär verfehlt, das Stadtoberhaupt hat weiter an Glaubwürdigkeit verloren. Immerhin ist da noch etwas zu verlieren. Für Jürgen Richter, den langjährigen Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt Frankfurt, gilt das nicht. Praktisch jeder Vorwurf, der in den vergangenen Monaten gegen die eng miteinander verflochtenen Spitzen von Awo Frankfurt und Wiesbaden publik geworden ist, hat sich bestätigt: überhöhte Gehälter, übermotorisierte Dienstwagen, Turbokarrieren von Günstlingen, fragwürdige Tochtergesellschaften zum finanziellen Nutzen der Awo-Führung, Mobbing gegen kritische Mitarbeiter.

          Skandalöse Vorgänge

          Das Bild, das sich aus den Enthüllungen ergeben hat, ist klar: Die Awo Frankfurt diente einer Clique um die Familie Richter als Selbstbedienungsladen. Und doch trieft die Stellungnahme des Awo-Geschäftsführers zum Abschied vor Selbstgerechtigkeit und Selbstmitleid. Das zeugt von einem dramatischen Realitätsverlust.

          An die skandalösen Vorgänge knüpfen sich drängende Fragen. Wie konnte ein solches System ausgebaut werden, ohne dass in den Kontrollinstanzen Alarm ausgelöst wurde? Haben die Wirtschaftsprüfer versagt? Warum haben die städtischen Dezernate, die Hunderte Millionen Euro an die Awo überwiesen haben, nicht genauer hingeschaut? Was ist mit den Aufsichtsgremien der Awo selbst? Und was muss noch passieren, bis sich die Staatsanwaltschaft herablässt, den mit vielen Dokumenten unterlegten Vorwürfen energisch nachzugehen?

          Die Awo in Frankfurt und Wiesbaden wird nur zu retten sein, wenn organisatorisch und personell ein harter Schnitt vollzogen wird. Die Organisation als Verein ist erkennbar nicht mehr zeitgemäß. SPD-Mandatsträger aller Ebenen sollten auf Ämter in den hiesigen Kreisverbänden der Awo verzichten. Alle, die vom System Richter profitiert haben, müssen die Awo verlassen. Nur so ließe sich erreichen, was angeblich Jürgen Richters Ziel war: Schaden von der Awo abzuwenden. Bisher deutet wenig darauf hin, dass die Beteiligten selbst zu derart weitreichenden Entscheidungen in der Lage sind. Es wird eines harten Zugriffs von außen bedürfen.

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