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Thorsten Winter (thwi)

Kommentar zu Dystar-Verkauf : Viele Hürden vor dem Neustart

Dystar soll unter der Regie von Kiri Dyes rasch seine Produktion wieder aufnehmen Bild: Frank Röth

Für den Geschäftsbetrieb des Textilfarbenherstellers Dystar aus Frankfurt gehört das Insolvenzverfahren der Vergangenheit an. Aus Frankfurter Perspektive darf aber mit Fragezeichen versehen werden, ob Dystar einer guten Zukunft entgegen sieht.

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          Für den Geschäftsbetrieb des Textilfarbenherstellers Dystar aus Frankfurt gehört das Insolvenzverfahren der Vergangenheit an. Neuer Herr in der bunten Dystar-Unternehmenszentrale im Industriepark Höchst ist Kiri Dyes aus Indien. Aus Sicht der Insolvenzverwalter ist der Verkauf an diesen Textilfarbenhersteller „alternativlos“. Aus Frankfurter Perspektive darf aber mit einigen Fragezeichen versehen werden, ob Dystar nach dem Fiasko unter dem Finanzinvestor Platinum Equity einer guten Zukunft entgegen sieht.

          Zum einen verlief die Übernahme holprig. Kiri ließ zudem drei Termine zur Vorlage des Finanzierungsplans verstreichen und überwies die Kaufsumme nicht auf einmal, sondern in Tranchen, was bei Übernahmen nicht üblich ist. Offenkundig ist die Übernahme für Kiri ein finanzieller Kraftakt. Hat das Unternehmen doch im vergangenen Geschäftsjahr umgerechnet rund 43 Millionen Euro umgesetzt – und auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag in Euro beziffern mit der Angelegenheit vertraute Personen auch den Preis für den Erwerb des Dystar-Konzerns. Spötter bezeichnen Kiri deshalb als „Mickey-Maus-Firma“, zumal Dystar mit einem Jahresumsatz von 800 Millionen Euro fast zwanzigmal so groß ist wie der neue Mutterkonzern.

          Vor Verlagerung nach Asien

          Allerdings fährt Kiri im Gegensatz zum defizitären Weltmarktführer aus Frankfurt seit Jahren einen Überschuss ein; zuletzt belief sich der Gewinn auf etwa ein Zehntel des Umsatzes. Auch verdanken die zuletzt faktisch arbeitslosen Mitarbeiter der Dystar-Produktion den Indern die Einrichtung der Transfergesellschaft, die sie qualifizieren soll.

          Die Belegschaften an den vier Standorten stehen dem neuen Hausherrn gleichwohl reserviert gegenüber. Das verwundert nicht, will Kiri doch nach spätestens zwei Jahren das Knowhow und Teile der Anlagen nach Indien verlagern und die Produktion in Deutschland aufgeben. Dies erklärt das Säbelrasseln der Arbeitnehmervertreter mit der unverhohlenen Drohung, die Betriebsstätten lahmzulegen, sollte Kiri sich nicht bald zum dauerhaften Erhalt der Produktion in Brunsbüttel, Leverkusen und Ludwigshafen bekennen.

          Einigung mit Lanxess nötig

          In Frankfurt interessiert derweil die Zukunft der Zentrale. Gerüchten zufolge will das Management die Zentrale nach Singapur verlagern. Wenn Kiri die Mitarbeiter für sich gewinnen will, sollte es dieses Gerücht rasch aus der Welt schaffen. Mit Genugtuung dürften viele Beschäftigte die Nachricht aufnehmen, dass Kiri-Chef Manish Kiri den unbeliebten Dystar-Chef Mark Allan mit sofortiger Wirkung ablöst.

          Allerdings steht und fällt der Neustart mit einem Ende des Streits um die Fabriken in Brunsbüttel und Leverkusen. In diesem Fall muss Kiri dem Eigentümer Lanxess entgegenkommen. Sonst gibt es keinen Pachtvertrag für die Fabriken – und keine Wiederaufnahme der Produktion.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

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