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Müll aus Einwegbechern : Weniger Becher sind auch noch zu viele

Ersetzt 500 Becher: Tom Philipps zeigt den Mehrwegbehälter, den Cafés mit Werbe-Banderolen bestücken können. Bild: Michael Kretzer

Auch Darmstadt will den Müll aus Einwegbechern reduzieren. Das von Studenten entwickelte Mehrwegsystem ist gut durchdacht, aber es müsste noch viel mehr geschehen. Ein Kommentar

          Cafés, Bars und Bäckereien, Kioske, manchmal sogar Metzger mit Mittagstisch, von den unzähligen Starbucks-Filialen und anderen Coffee Shops zu schweigen: Wo eine Kaffeemaschine Platz hat, wird Coffee to go angeboten. Und dort finden sich Leute, die dringend einen Kaffee brauchen, um ihn unterwegs zu schlürfen, im Laufen und auf dem Rad, in der S-Bahn, im Auto. Es entsteht Plastikabfall, zu dem außer den Bechern aus Kunststoff auch die innen beschichteten Behältnisse aus Pappe gehören.

          Papierkörbe, die von Bechern überquellen: Niemandem gefällt das, trotzdem ist das überall zu sehen. Rund drei Milliarden Kaffeebecher landen jedes Jahr in Deutschland im Müll oder auf der Straße oder in Grünanlagen, schätzt die Deutsche Umwelthilfe. 23 Millionen davon sollen es in Frankfurt sein und in Darmstadt, wo Studenten jetzt ein Mehrwegsystem entwickelt haben, fünf Millionen.

          Ein durchdachtes System

          Für die Herstellung der jedes Jahr allein in Deutschland verbrauchten Coffee-to-go-Becher entstehen CO2-Emissionen von rund 83.000 Tonnen, was viel ist oder wenig, je nach Betrachtungsweise. Zum Vergleich: Ein Personenwagen soll im Durchschnitt etwa zwei Tonnen im Jahr ausstoßen.

          Der Darmstädter Mehrwegbecher sieht gut aus, das Rücknahmesystem ist gut durchdacht, die Zahl der Betriebe, in denen Kunden die Becher erhalten und befüllen lassen können, wird im Idealfall stark wachsen. In Mainz ist ein ähnliches System im vergangenen Mai vorgestellt worden. In Frankfurt gibt es das Mehrwegbecher-System „Cup2gether“, das hessische Umweltministerium hat 2017 die Aktion „Becherbonus“ ins Leben gerufen mit einer öffentlichen Liste, auf der sich Kaffee-Verkaufsstellen eintragen können, wenn sie Gefäße zu befüllen bereit sind, die Kunden mitbringen.

          Gegen diese und gegen die Initiative in Darmstadt, gegen das, was in vielen Städten zur Eindämmung der Becherflut passiert, ist nichts zu sagen, außer: Es müsste noch viel mehr geschehen. Kettenbetriebe wie Starbucks müssten deutschlandweite Mehrwegsysteme einführen. Das ist nicht in Sicht. Unter das in einem Richtlinienentwurf der EU-Kommission formulierte Verkaufsverbot von Einweggeschirr sollen die Becher bislang nicht fallen. Was bleibt noch? Besteuerung zum Beispiel. Und Zurückhaltung der Kunden bei Coffee to go, also Konsumverzicht. Was am wirkungsvollsten wäre.

          Jacqueline Vogt

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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