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Kommentar zu Bruno Schubert : Einfach nur gruselig

  • -Aktualisiert am

Bruno Schubert. Bild: dpa

Bruno Schubert war ein liebenswürdiger, freundlicher Mann, der vielen half. Bis heute fehlt der ehemalige Ehrenbürger der Stadt Frankfurt. Der Streit um sein Erbe ist bizarr.

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          Bruno Schubert war ein liebenswürdiger, freundlicher Mann, der vielen half. Bis heute fehlt der ehemalige Ehrenbürger der Stadt Frankfurt, weil niemand als Gastgeber an seine Stelle getreten ist. An Schuberts Tisch fanden sich Tag für Tag Menschen aus den unterschiedlichsten beruflichen und gesellschaftlichen Sphären zusammen, die in heiterer Atmosphäre - umgeben von Butlern, Kitsch und Kunst - bei einer Mahlzeit sich austauschen und voneinander lernen konnten. Bruno Schubert, der ehemalige Inhaber der Henninger-Brauerei, stiftete Verbindungen, die ohne ihn nicht zustande gekommen wären. Hätte es ihn, den Menschenfreund und Mäzen, nicht gegeben, man hätte ihn erfinden müssen.

          Doch Bruno Schubert war vor allem in seinen letzten Lebensjahren auch ein Beispiel dafür, dass ein Übermaß an Geld zu Dingen verleitet, die sich dem normal Sterblichen erst gar nicht erschließen. Auch die Erfindung einer blauen Pille, die seit 1998 auf dem deutschen Markt ist, ermöglichte und förderte ein Verhalten, das andernfalls durch den bloßen Alterungsprozess erlischt. Kurzum, Bruno Schubert geriet als alter Mann mit einem Milieu in Kontakt, das ihm nicht gut tat. Die Hochzeit des Neunzigjährigen mit einer 62Jahre Jüngeren schien nur der letzte Akt eines seit längerer Zeit zu Kopfschütteln Anlass gebenden Schauspiels.

          Wirklich Schlussakt? Leider nein. Schon als die Bild-Zeitung ihre Leser im vergangenen Jahr mit der Schlagzeile „Ehefrau (28) filmt Bier-Millionär (90) beim Sterben“ erfreute, dachte man, nun müsse der Tiefpunkt erreicht sein. Doch es folgte ein bizarrer Erbstreit zwischen der jungen Witwe und der Bruno-H.-Schubert-Stiftung. Die Witwe obsiegte zwar, aber ob noch Geld übrig bleibt, um das zu streiten sich lohnt, steht dahin. Als nicht mehr zu überbietendes Gruselspektakel fand nun die Exhumierung des am 17. Oktober 2010 Verstorbenen statt, man mag es sich gar nicht konkret vorstellen. Die Staatsanwaltschaft muss wirklich sehr gute Gründe haben, Bruno Schuberts letzte Ruhe zu stören.

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