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Kommentar zu Polizeiausbildung : Kein Bagatelldelikt

  • -Aktualisiert am

Spricht mit Blick auf die Einstellung des in eine Messerstecherei verwickelten Polizeianwärters von einem Fehler: Hessens Innenminister Peter Beuth Bild: dpa

Die Affäre um einen mutmaßlich gewalttätigen Polizeianwärter hat das Potential zum Skandal. Der Fall zeigt aber auch, wie überfordert die Polizei bei der Auswahl ihrer Bewerber inzwischen ist.

          Die Polizei ist ein Abbild der Gesellschaft. Das betont die Behörde immer wieder. Vor allem dann, wenn Fälle bekanntwerden, in denen Beamte straffällig geworden sind. Jeder weiß, das darf nicht sein, aber klar ist auch, dass Polizisten keine Übermenschen sind. Dass es aber jemand, der zuvor schon wegen eines Gewaltdelikts vorbestraft war, überhaupt in die Polizeiausbildung schafft und dann noch an einer Messerstecherei beteiligt ist, bei der am Ende ein Mensch getötet wird, ist niemandem zu vermitteln. Der Fall hat das Potential zum Skandal.

          Innenminister Peter Beuth (CDU) immerhin war weitsichtig genug, gar nicht erst zu versuchen, etwas zu beschönigen, sondern von Beginn an von einem „Fehler“ zu sprechen, der sich nicht wiederholen dürfe. Die Frage, wie der 23 Jahre alte Anwärter überhaupt den Eignungstest bestehen konnte, steht nun zu Recht im Fokus der Diskussion. Nach den hohen Standards hätte er erst gar nicht aufgenommen werden dürfen in den Kreis möglicher Kandidaten.

          „Größter Jahrgang aller Zeiten“

          Der Fall zeigt aber auch, wie überfordert die Polizei bei der Auswahl ihrer Bewerber inzwischen ist. Beuth wirbt seit Jahren damit, die Zahl der Anwärter kontinuierlich zu erhöhen; in diesem Jahr werde gar „der größten Jahrgang aller Zeiten“ ausgebildet, als wenn die reine Zahl an Anwärtern ein Erfolg wäre. Insofern ist zu klären, ob der Druck, in den nächsten Jahren möglichst viele Polizisten einsetzen zu können, nicht auch das Risiko birgt, bei den Anwärtern nicht mehr genau genug hinzusehen.

          Die Rede ist von nunmehr 22 weiteren angehenden Polizisten, die im polizeieigenen System Polas erfasst sind. In den meisten Fällen soll es sich um „Verfehlungen in der Jugendzeit“ handeln. Man hat offenbar diesen jungen Männern trotzdem eine Chance bieten wollen. Nach den nun gemachten Erfahrungen möchte man es schon genauer wissen. Die Polizei wird nicht umhinkommen, die Auswahl ihrer Bewerber zu überarbeiten. Dazu gehört im Übrigen auch, extremistische Tendenzen abzufragen, wie es die Polizeigewerkschaft nun gefordert hat.

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