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Kommentar : Wie wäre es mit einem Kompromiss?

Für Bad Vilbel im Gespräch: Ein Segmüller-Möbelhaus, so wie hier in Weiterstadt an der A5 Bild: Sick, Cornelia

Zunehmend veröden Innenstädte. Doch große Einkaufszentren an Autobahnen sind nicht der einzige Grund. Im Streit um ein Segmüller-Möbelhaus in Bad Vilbel sollte dies beachtet werden.

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          Warum kaufen Kunden in einem bestimmten Geschäft und nicht woanders? Gibt der Preis den Ausschlag, der Parkplatz, die Beratung, die Öffnungszeit, das Sortiment? Vermutlich können noch Tausende Studien erhoben werden, alle dürften zu dem einen überzeugenden Ergebnis kommen: Bestimmte Angebote zu einem bestimmten Preis bringen ganz bestimmte Kunden dazu, in einem bestimmten Geschäft zu kaufen - eine bestimmte Beratung und ein gewisses Parkplatzangebot vorausgesetzt, vor allem bei Regen. Kurzum: Wir wissen es nicht.

          Deshalb hat der Streit über die Ansiedlung des Möbelhauses Segmüller in Bad Vilbel letztlich etwas Künstliches. Er wird andererseits schon so lange geführt, dass sich beide Seiten verkantet haben. Den Regionalpolitikern und den Bürgermeistern geht es um den Schutz des Einzelhandels in den Innenstädten gegen die Konkurrenz der großen Einkaufszentren. Das ist ein ehrenwertes Ziel, denn wer findet Innenstädte mit einem lebhaften Einzelhandel nicht auch angenehmer als die immerzu gleichen Filialketten?

          Gründe für Geschäftsaufgabe sind vielfältig

          Andererseits hat vor kurzem in Karben das älteste Haushaltswarengeschäft der Wetterau geschlossen, lange bevor Segmüller auch nur in Sicht war. Denn nicht nur die Kaufentscheidung hat viele Facetten, auch die Gründe für die Aufgabe von Geschäften sind vielfältig. Jede Geschäftsaufgabe auf die erdrückende Konkurrenz der großen Einkaufsmärkte zu schieben, das kann auch eine Ausrede sein.

          Und Bad Homburg? Die Kurstadt habe eine vergleichsweise lebendige Innenstadt mit einem bunt gemischten Geschäftsleben, weil es eben ein Einzelhandelskonzept gebe, der diese Geschäfte vor erdrückender Konkurrenz schütze, sagen die Befürworter. Daran ist sicher etwas, aber Bad Homburg hat auch Einwohner, die nicht wegen eines Schnäppchens zum Main-Taunus-Zentrum fahren müssen.

          Vorgaben riechen nach Wirtschaftslenkung

          So liegen die Dinge überall anders, und man kann Argumente für das eine wie für das andere finden. Es riecht schon nach Wirtschaftslenkung, wenn ein Planungsgremium Listen aufstellt, in denen steht, dass bestimmte Geschäfte in bestimmten Lagen zwar Tapeten verkaufen dürfen, Lampen aber nicht - und Kochtöpfe nur auf einer bestimmten Ladenfläche. Andererseits verlangt die Verödung vieler Innenstädte Antworten, unternehmerische wie politische. Wie wäre es in Bad Vilbel mit einem Kompromiss? Die vorläufige Entscheidung des Verwaltungsgerichts Gießen weist zu Recht in diese Richtung.

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