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Kommentar : Wechselseitiges Misstrauen

  • -Aktualisiert am

Seitdem Nachtflüge in Frankfurt definitiv, weil letztinstanzlich verboten sind, wird jede Ausnahme wie ein Nadelstich empfunden

          Seitdem Nachtflüge in Frankfurt definitiv, weil letztinstanzlich verboten sind, wird jede Ausnahme wie ein Nadelstich empfunden. Da hilft auch kein Hinweis, vor Inbetriebnahme der neuen Landebahn sei es mit fast fünf Dutzend Starts und Landungen zwischen 23 und 5 Uhr viel schlimmer gewesen. Und die angestrebte größtmögliche Transparenz über das Internet scheint die Skepsis eher noch zu verstärken, die Ministerialbeamten im Tower gewährten allzu großzügig Dispens für Flüge kurz vor Mitternacht.

          Es ist nur auf den ersten Blick ein Widerspruch, wie heftig sich im Gegenzug die Fluggesellschaften darüber beklagen, die Ausnahmeregeln, die schon seit viereinhalb Jahren unverändert im Planfeststellungsbeschluss stehen, würden zu ihren Ungunsten und viel zu streng ausgelegt. Die Fälle mehrten sich, dass, selbst wenn die „Deadline“ nur um wenige Minuten überschritten werde, Hunderte Passagiere die Nacht am Flughafen verbringen müssten, heißt es.

          Berlin will die Nachtruhe vielleicht erweitern

          Die jüngste Vermutung, das Ministerium in Wiesbaden habe bewusst bei der Publizierung der Planklarstellung geschludert, um der Lufthansa lange Zeit zum Überlegen zu lassen, ob sie für Nachtflüge noch einmal vor Gericht zieht, passt in die Atmosphäre wechselseitigen Misstrauens. Dies zeigt, wie wenig „befriedet“ der bald jahrzehntelange Streit um den Ausbau des Flughafens immer noch ist - und wie unklar das Bild, welche Bedeutung dem Projekt für die Region zukommt.

          Die Konfusion wird verstärkt, weil „die Politik“ nicht mehr so recht weiß, wie sie auf die kaum zu dämpfenden Proteste gegen Fluglärm reagieren und wie sie sich, national und europäisch, koordinieren soll. Die Differenzen um die Planklarstellung für den Frankfurter Flughafen verstärken den Eindruck, Bundesverkehrsminister Ramsauer erwäge, im aufziehenden Wahlkampf als Anwalt der Flughafen-Anwohner aufzutreten. Über die Passage im Koalitionsvertrag, die Interessen der Fluggesellschaften am Nachtbetrieb müssten gestärkt werden, ist längst der Mantel des Schweigens ausgebreitet.

          Berlin, so ist zu hören, denkt sogar darüber nach, die Nachtruhe zu erweitern. Notfalls auch gegen Brüssel.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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