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Kommentar : Was vom Sonntag in Frankfurt bleibt

  • -Aktualisiert am

So sieht die Bombe aus. Bild: F.A.Z. - Katharina Iskander

Der Sonntag von Frankfurt lehrt: Niemand wird seinem Schicksal überlassen, die Polizisten handeln als Helfer, die Entschärfung begann erst, als alle Anwohner aus der Gefahrenzone waren. Selbstverständlich? Hierzulande ja, aber nicht überall.

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          Eine Stadt der Größe von Kempten oder Plauen mit Mann und Maus auszuquartieren ist wahrlich keine Kleinigkeit. Das hat gestern in Frankfurt alles in allem tadellos geklappt, auch wenn es länger dauerte als gedacht. Was immer einzelne Schlauberger zu bemängeln haben, es wirkt kleinlich, gemessen an der Aufgabe, die Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste, die Krankenhäuser und ehrenamtliche Helfer zu bewältigen hatten.

          Das Zeug zu Helden haben die beiden Bombenentschärfer. Ihr Können und ihre Kaltblütigkeit sind unfassbar. Als die Sache nach der schnellen Entfernung des ersten Zünders erst recht schwierig wurde, fanden sie die richtige Lösung. Den einen hatte noch nicht einmal die Frage einer Reporterin des Hessischen Rundfunks aus der Ruhe gebracht, ob seine beiden Kinder ihm böse seien, weil er einen so gefährlichen Beruf habe. Sich so etwas eine knappe Stunde vor Beginn eines Sonntagsdienstes, der leicht zu einem Himmelfahrtskommando hätte werden können, klaglos anzuhören, dazu braucht es Nerven aus Stahl.

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          Dass die menschliche Phantasie ohnehin niemals ausreichen wird, sich vorzustellen,was in den Köpfen von Zeitgenossen vorgeht, haben jene Hirnlosen bewiesen, die den Beginn der Bombenentschärfung aufhielten, indem sie in ihren Wohnungen blieben und sogar noch feixten. Mit ihrer Dummheit sind sie zwar schon hart gestraft, aber noch nicht genug. Sie seien den Behörden zur besonderen Fürsorge empfohlen.

          Weil alles gutgegangen ist, sind Illusionen Schall und Rauch, dieser Sonntag werde lange nachwirken. So ist der Mensch nun einmal. Der Nervenkitzel war gestern, heute ist ein neuer Tag. Im besten Fall bewahrt sich der eine oder die andere ein Gespür dafür, welches Geschenk es ist, nur an seltenen Tagen wie gestern Angst vor Bomben haben zu müssen. Drei Flugstunden von Frankfurt entfernt ist das schon anders.

          Wer nicht in den Kategorien von Krieg und Frieden denkt, sollte sich wenigstens vor Augen führen, wie der Staat den Bürgern gegenübertritt: Niemand wird seinem Schicksal überlassen, die Polizisten handeln als Helfer und nicht als Drangsalierer, die Entschärfung begann erst, als alle Anwohner aus der Gefahrenzone waren. Ist doch selbstverständlich? Hierzulande ja, aber nicht überall, noch nicht einmal in Europa.

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