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Fridays for Future : Thank God it’s Friday

Länderübergreifend: Der „Fridays for Future“-Protest in Frankfurt war mit dem in Brüssel und Straßburg abgestimmt. Bild: Bäuml, Lucas

Statt den streikenden Schülern jeden Freitag das Schwänzen vorzuwerfen, sollten sich die Erwachsenen bei der „Fridays for Future“-Bewegung bedanken. Denn durch sie ist Klimaschutz ein Thema bei den Europawahlen geworden.

          Ja, der Vorwurf trifft zu. Einige der Schüler, die Freitagmittag wieder auf die Straße gegangen sind, haben dafür die letzten Stunden des freitäglichen Unterrichts geschwänzt. Ja, es stimmt. Die Jugendlichen fordern mehr Klimaschutz, benutzen aber selbst Smartphones, tragen Kleider aus Synthetikfasern und halten Pappschilder hoch, für die Bäume gefällt worden sind.

          Statt weiter auf dem Vorwurf des Schwänzens und der absurden Forderung, wahre Klimaschützer müssten wie Steinzeitmenschen leben, herumzureiten, sollten sich die Erwachsenen bedanken, dass es „Fridays for Future“ gibt. Die junge, angeblich so unpolitische Generation hat es geschafft, ein im wahrsten Sinne des Wortes existentielles Thema so weit nach oben auf die Tagesordnung zu bringen, dass es nun als mitentscheidend für die Europawahl gilt.

          Wichtiger Diskurs

          Besonders anzuerkennen ist die Frankfurter Gruppe von „Fridays for Future“. Seit Monaten schaffen es die Schüler und Studenten, die Bewegung mit immer neuen lokalen Aktionen am Laufen zu halten. Sie belassen es nicht dabei, über globale Erderwärmung zu reden, sondern sie fragen, was das vor der eigenen Haustür bedeutet, etwa für die Entwicklung von Wohnquartieren.

          Sie nutzen jede Gelegenheit, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen, sei es ein Besuch der CDU-Vorsitzenden im Einkaufscenter an der Zeil, die Hauptversammlung der Deutschen Bank oder der Bildungsausschuss der Stadtverordneten. Sie sind sich nicht einmal zu schade, in der Innenstadt Müll zu sammeln und Zigarettenkippen aus den Pflasterritzen zu pulen.

          Ja, der Vorwurf trifft zu. Nicht jede Stellungnahme von „Fridays for Future“ ist ausgewogen. Manche Äußerung ist polemisch, unfair, naiv oder schlicht falsch. Genau wie in den Diskussionen im Landtag oder im Römer und in überhaupt jedem politischen Diskurs. Wichtig ist, dass der Diskurs geführt wird, auch zwischen den Generationen. Wenn das ein paar Stunden Unterricht kostet, hat es sich gelohnt.

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

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