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Kommentar : Vorteil Rentsch

Soll der gerade stillgelegte Block 1 des Kohlekraftwerks Staudinger im Winter reaktiviert werden? Um diese Frage streiten die hessischen Minister Rentsch (FDP) und Puttrich (CDU) Bild: dapd

In der Energie-Diskussion treten wieder Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit in den Vordergrund. Einem alerten Politiker wie dem hessischen Wirtschaftsminister Rentsch (FDP) spielt das in die Hände.

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          In der Energiepolitik hat sich der Wind gedreht. War nach der Atomkatastrophe von Japan lange Zeit nur noch von dem schönen Traum die Rede, das Industrieland Deutschland könne seinen Strom in einem biedermeierlichen Idyll allein mit Windrädern und Solarzellen erzeugen, so treten nun wieder die zentralen Themen Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit in den Vordergrund.

          Einem alerten Politiker wie dem hessischen Wirtschaftsminister Florian Rentsch (FDP) spielt das in die Hände. Mit seiner Warnung vor einer Deindustrialisierung des Landes wegen der stark steigenden Kosten der Energiewende wie auch vor einem Blackout mit unabsehbaren Folgen hat er sein Thema gefunden.

          Puttrich in der Defensive

          Rentsch, der sich auch nach den jüngsten Umfragen um seinen Job sorgen muss, wird darin nicht nachlassen. Der Minister nimmt mit seinem schwunghaften Eintreten für eine andere Energiepolitik in Kauf, dass die Haltung der Landesregierung in dieser Sache weiter zerfasert. Er ist dabei immerhin nicht allein - auch der Ministerpräsident leistet dazu seinen Beitrag, wenn er meint, beim Ausbau der Windenergie müsse man nicht in ein Wettrennen mit anderen Ländern eintreten. Mutige Worte eines Regierungschefs, in dessen Sprengel sich solche Anlagen nur vereinzelt finden.

          In die Defensive geraten ist bei alledem die eigentlich für die Energiepolitik zuständige Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU). Während sich Rentsch mit großen Worten der Forderung der Bundesnetzagentur anschließt, das Kraftwerk Staudinger 1 für kalte Wintertage bereitzuhalten, kommt eine Stellungnahme aus dem Umweltministerium nur auf Nachfrage und bleibt knapp. Offenbar hat man die Sprengkraft dieses Themas dort nicht erkannt. Wie sich Puttrich in der Energiepolitik das Heft aus der Hand nehmen lässt, ist schon regelrecht tragisch. Einstweilen jedenfalls gilt: Vorteil Rentsch.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

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