https://www.faz.net/-gzg-8566h

Kommentar : Vom Kulturcampus ist keine Rede mehr

Hier werden Uni-Institute noch bis 2018 bleiben, der Traum vom Kulturcampus scheint ausgeträumt: Campus Bockenheim in Frankfurt Bild: Dreisen, Linda

Der Bebauungsplan für den Campus Bockenheim in Frankfurt lässt auf sich warten. Ein privater Investor baut auf der früheren AfE-Fläche ein Hotel und Büros. Der Traum vom Kulturcampus scheint ausgeträumt.

          1 Min.

          Für ein Hotel ist diese Lage ideal. Der Eingang zum Frankfurter Messegelände ist keine 500 Meter entfernt. Dass sich ein Interessent gefunden hat, der einen Hotelturm auf dem nahe gelegenen Campus Bockenheim bauen will, ist daher keine Überraschung. Schon eher erstaunt, dass derselbe Investor in direkter Nachbarschaft auch noch ein Bürohochhaus plant. In der näheren Umgebung stehen nicht wenige Büroflächen leer.

          Für diesen kniffligen Hochhausstandort hatte der städtische Wohnungskonzern ABG, dem das Grundstück bislang gehörte, auch einen Plan B: Hätte sich kein Investor für die Hochhäuser gefunden, wäre eine siebengeschossige Blockrandbebauung entstanden. Doch so weit kam es nicht, denn der ABG ist es gelungen, das schwierigste Grundstück auf dem Campus auch mit einer hohen Ausnutzung zu veräußern. Das ist für sie ein Erfolg.

          ABG muss Geld verdienen

          Dass es bis auf eine kleine Fläche im Norden mit der Entwicklung des Universitätsgeländes noch nicht recht vorangeht, liegt nicht an der Vermarktung. Der Bau der Wohnhäuser hätte sicher schon längst begonnen, wenn der Bebauungsplan fertig und die Universität schon komplett umgezogen wäre. Weil die Stadt aber säumig war und einige Institute noch bis 2018 in Bockenheim bleiben, wird sich an dieser Stelle vorerst wenig tun.

          Deshalb gelten die ersten Bauaktivitäten auf dem Campus den gewerblich zu nutzenden Grundstücken. Das ist Wasser auf die Mühlen der kritischen Bürgerinitiativen, die auf dem Gelände einen möglichst hohen Wohnanteil fordern. Aber sie dürfen nicht verkennen, dass die ABG auch Geld verdienen muss, um sich den Wohnungsbau leisten zu können.

          Wohnungen für Geringverdiener

          Der Oberbürgermeister tat gut daran, an diesen Zusammenhang zu erinnern. Wohnungen für gemeinschaftliche Projekte und Geringverdiener werden in Bockenheim auch noch errichtet, allerdings nicht zu Beginn, sondern erst in einem späteren Schritt.

          Auffällig ist, dass der Kulturcampus mit keiner Silbe erwähnt wurde. Erst auf Nachfrage erklärte ABG-Geschäftsführer Frank Junker, er sei zuversichtlich, dass zumindest mit der Probebühne ein Teil der Musikhochschule auf den Campus verlagert werde. Von den anderen Kulturinstitutionen wie dem Ensemble Modern, die dort in einem gemeinsam genutzten Gebäude unterkommen sollten, war keine Rede mehr. Der Traum vom Kulturcampus scheint ausgeträumt.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der Fall George Floyd : Amerikas Justizwesen ist kaputt

          Die amerikanische Politik bleibt in ihrer Übertreibungsspirale gefangen. Deshalb wird es auch nach dem Mordurteil in Minnepolis nicht zu den Reformen kommen, die das Land so dringend braucht.
          Juve-Boss Andrea Agnelli: Einer der Initiatoren und Befürworter der Super League

          Juve-Präsident Andrea Agnelli : „Verräter, wie Judas“

          Juventus-Präsident Agnelli war einer der Initiatoren der Super League. In Italien wird er heftig angefeindet – und hat sogar Ärger mit dem berühmten Taufpaten eines seiner Kinder. Nun wird bekannt: Das Projekt wird verworfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.