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Kommentar : Viereinhalb Kandidaten

Jetzt wird es langsam aberwitzig. Vier Bewerber um die Oberbürgermeisterkandidatur gibt es nun schon in der Frankfurter CDU. Selbst Amtsinhaberin Roth, die offenbar nur schwer von ihrem Amt lassen kann, werden noch Ambitionen nachgesagt.

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          Jetzt wird es langsam aberwitzig. Vier Bewerber um die Oberbürgermeisterkandidatur gibt es nun schon in der Frankfurter CDU. Öffentlich hat allerdings noch niemand Ansprüche angemeldet, weder der Parteivorsitzende Boris Rhein noch Kämmerer Uwe Becker oder Wirtschaftsdezernent Markus Frank.

          Nun zählt also noch Boddenberg zu den halboffiziellen Kandidaten. Seine Ambitionen kommen für viele Parteimitglieder überraschend. Boddenberg ist als hessischer Minister für Bundesangelegenheiten zwar der höchstrangige unter den Konkurrenten, doch im Römer wurde er nicht mehr oft gesehen, seit er 1999 als ehrenamtlicher Stadtrat ausschied.

          Aussichtsloses Unterfangen

          Selbst Amtsinhaberin Roth, die offenbar nur schwer von ihrem Amt lassen kann, werden noch Ambitionen nachgesagt. Dafür müsste eine Änderung der Hessischen Gemeindeordnung ins Werk gesetzt werden. Das dürfte aussichtslos sein, denn da müsste schon Ministerpräsident Roland Koch selbst Tempo machen, doch so verbunden ist er Frau Roth wohl nicht.

          Für die Frankfurter CDU wäre es ideal, wenn sie einen Kandidaten hätte, der die Stärken aller fünf Prätendenten in sich vereinte: Roths Auftritt, Rheins Leutseligkeit, Beckers Solidität, Franks Umtriebigkeit und Boddenbergs Erfahrung. Schon die schiere Zahl legt dem Wähler nahe, dass es an einem überragenden Kandidaten fehlt. Doch die CDU wird sich nach dem Stand der Dinge zwischen vier Männern entscheiden müssen, die Schwächen haben: Becker ist menschenscheu, Rhein wirkt auf viele sprunghaft, Frank fehlt es an intellektueller Ausstrahlung und Boddenberg hängt der Makel an, ein Mann Roland Kochs zu sein. Ein glänzender Redner ist keiner der vieren.

          CDU-Arbeitnehmer hinter Becker

          Als Favoriten müssen derzeit Rhein und Becker gelten. Frank hält sich offenbar für den Fall bereit, dass Rhein sich doch für eine Karriere in Wiesbaden entscheiden sollte. Dann wäre voraussichtlich er der Mann des wirtschaftsfreundlichen Mittelstandsflügels. Becker weiß den Arbeitnehmerflügel hinter sich.

          Die Vielzahl der Bewerber birgt Chancen und Risiken für die Partei. Einerseits können sich die Beteiligten gegenseitig anstacheln. Andererseits besteht die Gefahr, dass sie sich gegenseitig beschädigen. Entscheidend für den Wahlausgang wird sein, ob sich die CDU hinter dem Kandidaten versammelt oder ob der Kampf um die Kandidatur ein zerstrittenes Lager hinterlässt.

          Schon die schiere Zahl legt dem Wähler nahe, dass die CDU keinen überragenden Kandidaten hat.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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