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Kommentar : Verzögerungen bestrafen

Bauarbeiterwesten als Zeichen für den Sommer: Die Stadt Frankfurt hat viele Bauprojekte in die Sommerferien gelegt. Bild: Helmut Fricke

Verzögerungen bei Baustellen belasten besonders die Einzelhändler der umliegenden Geschäfte. Hilfreich wäre es, sich bei Verträgen mit Baufirmen an der Privatwirtschaft orientieren.

          Der Bau zweier U-Bahn-Haltestellen verzögert sich. Normalerweise würde in einem solchen Fall kaum jemand aufmerken. Öffentliche Bauprojekte werden häufig nicht pünktlich abgeschlossen, daran hat man sich gewöhnt. Im Falle der Frankfurter U-Bahnsteige ist das anders. Denn ihretwegen fällt eine ganze U-Bahn-Linie weitgehend aus, und eine ganze Geschäftsstraße, die untere Eckenheimer Landstraße, ist für Autos und Lastwagen nicht mehr passierbar.

          Der Leidtragenden sind viele. Weil die U5 nicht mehr in die City fährt, müssen Tausende von Fahrgäste aus Preungesheim und Eckenheim Umwege nehmen. Vor der Musterschule hält keine U-Bahn mehr. Die Geschäftsleute, deren Läden und Betriebe nur noch schlecht zu erreichen sind, sehen ihre Umsätze drastisch schwinden. Die Anwohner sind Lärm und Schmutz ausgesetzt.

          Keine Entschädigung für Einzelhändler

          Das Versprechen an sie alle lautete, dass die Bauarbeiten zügig vonstatten gingen und der Spuk nach den Sommerferien ein Ende habe. Doch es kann nicht gehalten werden. Der Bauherr, die Verkehrsgesellschaft Frankfurt, ist jetzt mit der Wahrheit herausgerückt: Erst sechs Wochen nach dem versprochenen Bauende wird die U-Bahn wieder fahren und die Sperrung der Eckenheimer Landstraße aufgehoben.

          Am schlimmsten trifft die Verzögerung die Gewerbetreibenden, die keinen Cent Entschädigung bekommen. Man kann nur hoffen, dass sie die Durststrecke durchstehen und dass ihre wirtschaftliche Existenz nicht vernichtet wird. Im Rathaus Römer sollten die Kommunalpolitiker sich Gedanken darüber machen, wie man in besonders krassen Notfällen Geschäftsinhabern unter die Arme greifen kann.

          Genaue Prüfung der Gründe

          Der neue Frankfurter Verkehrsdezernent tut auch gut daran, den Ursachen der Verzögerung auf den Grund gehen zu wollen. Zu untersuchen wird sein, ob die Verkehrsgesellschaft, die die Öffentlichkeit leider zu spät informierte, das Vorhaben schlecht koordiniert hat. Auch die Arbeit des beauftragten Bauunternehmens muss geprüft werden.

          Eine der Konsequenzen aus dem Fall könnte lauten, dass künftig in den Verträgen mit den ausführenden Unternehmen schmerzhafte Strafzahlungen für Verzögerungen vereinbart werden. Dann wäre Schluss mit der unseligen Praxis, dass Firmen bei Aufträgen der öffentlichen Hand sich gerne Zeit lassen, während sie sich bei privaten Aufträgen beeilen, die Termine einzuhalten. Denn in der Privatwirtschaft sind Strafzahlungen keine Ausnahme.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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