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Kommentar : Versprechungen

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Wäre das Schulwesen ein Holzhaus, ließen sich die jüngsten Äußerungen der hessischen Kultusministerin Karin Wolff (CDU) auf dessen Zustand ungefähr so übertragen: Das Gebälk ist vom Holzwurm zerfressen, an den Fundamenten wird gezündelt, aber die Hütte bleibt stehen.

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          Wäre das Schulwesen ein Holzhaus, ließen sich die jüngsten Äußerungen der hessischen Kultusministerin Karin Wolff (CDU) auf dessen Zustand ungefähr so übertragen: Das Gebälk ist vom Holzwurm zerfressen, an den Fundamenten wird gezündelt, aber die Hütte bleibt stehen. Einen Tag, bevor sich in Wiesbaden SPD und Grüne besorgt über einen ihrer Meinung nach absehbaren Lehrermangel im nächsten Schuljahr äußerten (siehe Bericht auf dieser Seite), hatte Wolff schon am Sonntag ebenfalls "Land unter" gemeldet und von einer dramatischen Entwicklung gesprochen.

          Freilich hatte die CDU-Politikerin vor allem die wegen fehlender Ausbildungsplätze steigende Zahl von Jugendlichen in den Blickpunkt gerückt, die im nächsten Schuljahr wohl Vollzeitformen der Berufsschulen in Anspruch nehmen werden. Mit dem Halbsatz, daß unter diesen Bedingungen mutmaßlich "auch einige zehnte Klassen und Oberstufen" mehr Schüler als erwartet aufnehmen müßten, schuf die Kultusministerin die Verbindung zu dem Thema, das unmittelbar noch mehr politische Brisanz hat als die Zukunft der Berufsschulen: die Unterrichtsabdeckung an den allgemeinbildenden Schulen. Die sonntäglichen Worte aus dem Kultusministerium wertete die Opposition gestern als vorsorgliche Verteidigung, vermutlich zu Recht.

          Mit den Zahlen ist das ja so eine Sache, vor allem, wenn sie nicht nur eine mathematische, sondern auch eine politische Botschaft transportieren sollen. Daran, daß in Hessen Lehrerstellen gestrichen worden sind, ist nicht zu rütteln. Die Gegenrechnung des Kultusministeriums, daß das durch die Mehrarbeitsanordnung für Beamte und somit auch Lehrer ausgeglichen werde, mag auf dem Papier stimmen, im Schulalltag geht sie einfach nicht auf. Schon gar nicht, wenn steigende Schülerzahlen die ohnehin nicht kleinen Sorgen noch größer machen.

          Gestern hat Karin Wolff Schwierigkeiten eingeräumt, ihre Kritiker aber gleichzeitig der Panikmache geziehen. Wie auch immer man dazu steht, die Kultusministerin und damit die Landesregierung muß sich an ihren eigenen Worten messen lassen. Zum Beispiel an diesen, heute erst 48 Stunden alten: "An hessischen Schulen muß kein Unterricht mangels Lehrerstellen ausfallen." Das hören bestimmt viele gern.

          JACQUELINE VOGT

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