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Kommentar : Und es dreht sich doch nicht

Nachfolger: So soll der neue Henninger Turm mit Fass-Spitze einmal aussehen Bild: Simulation Meixner Schlüter Wendt

Der neue Henninger-Turm wird dem alten, schon abgerissenen ähneln. Der geplante Wohnturm wirkt von ferne wie ein Replikat des Getreidesilos.

          Stadtentwicklung hat viel mit Nostalgie zu tun. In der Frankfurter Innenstadt ersteht die Altstadt wieder auf, in Bockenheim klammert sich eine Bürgerinitiative an das Philosophicum. In Sachsenhausen gibt es einen besonders markanten Fall von gebautem Heimweh: Der neue Henninger-Turm wird dem alten, schon abgerissenen ähneln. Der geplante Wohnturm wirkt von ferne wie ein Replikat des Getreidesilos. Der Verlust des Gewohnten und Liebgewonnenen ist für einige offenbar leichter zu ertragen, weil es in verwandelter Form wieder zurückkommt.

          Nun war der Henninger-Turm tatsächlich ein besonderes Bauwerk. Viele fühlten sich in dem Moment in der Heimat angekommen, in dem sie im Landeanflug den Henninger-Turm mit seiner exzentrischen Bauform - schlichter Silo mit dem Bierfass auf dem Dach - durch das Flugzeugfenster sahen.

          Prägend fürs Stadtbild

          Auf diese Weise hat der kuriose Klotz das Stadtbild mehr als 50 Jahre lang geprägt. Bis 1974 das höchste Gebäude Frankfurts, gehörte er zur Stadt einfach dazu. Der Henninger-Turm war ein Teil der Geschichte Frankfurts und des kollektiven Gedächtnisses seiner Bewohner. Dazu, dass er diesen Status erlangte, hat auch das nach ihm benannte Radrennen beigetragen.

          Die emotionale Bindung an das Gebäude hat jedoch vor allem mit der Nutzung zu tun: Das Drehrestaurant an der Spitze war ein beliebtes Ausflugsziel, nicht nur unter Kindern. Unzählige Gäste haben dort oben Kuchen gegessen und den Rundblick genossen. Doch als das Drehrestaurant 2002 wie andere Einrichtungen dieser Art aus Brandschutzgründen schließen musste und die Brauerei übernommen wurde, verlor der Turm seine Doppelfunktion.

          Spitze wieder öffentlich zugänglich

          Immerhin: Mit der Präsentation des Neubauprojekts wurde vom Bauherrn versprochen, dass es an dessen Spitze wieder eine öffentlich zugängliche Fläche geben werde. Mittlerweile steht allerdings fest: Das neue Restaurant wird sich nicht drehen. Technisch wäre das zwar machbar, doch der Investor argumentiert mit dem hohen finanziellen Aufwand. Er versteht sich trotz der hohen Renditeerwartungen aus dem Projekt nicht als Mäzen, wie es einst der Henninger-Patron Bruno Schubert war. Dass die potentiellen Pächter der Flächen die Wartungskosten nicht übernehmen wollen, überrascht nicht.

          Andere Städte können mit ihren Drehrestaurants werben. Die „Stadtrundfahrt“ im Fernsehturm auf dem Alexanderplatz ist für jeden Berlin-Touristen ein Muss. Frankfurt muss auf eine solche Attraktion leider verzichten.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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