https://www.faz.net/-gzg-7h4eb
 

Kommentar : Und der Bischof bewegt sich doch

  • -Aktualisiert am

Will vermehrt die Nähe seiner Schäfchen suchen: Limburger Bischof Tebartz-van Elst Bild: Röth, Frank

Lange sah es so aus, als würden sich die Fronten weiter verhärten. Seit der vergangenen Woche aber handelt der Limburger Bischof Tebartz-van Elst, als werde er von einem erstklassigen Fachmann in Krisen-PR beraten.

          1 Min.

          Reinhard Lettmann war ein energischer Mann. Bei internen Sitzungen haute er manchmal mit der Hand auf den Tisch, so dass sein Bischofsring dem Anliegen akustischen Nachdruck verlieh. Reinhard Lettmann war Bischof von Münster in Westfalen. Einer seiner Weihbischöfe hieß Franz-Peter Tebartz-van Elst, der seit gut fünf Jahren an der Spitze des Bistums Limburg steht. Tebartz ist von Reinhard Lettmann geprägt, der nicht der Ansicht war, ein Bistum werde durch demokratische Abstimmung regiert. Und das ist per se noch nichts Schlimmes.

          Zwischen den Bistümern Limburg und Münster liegen Welten. Münster geht auf den heiligen Ludgerus zurück, Limburg wurde erst 1827 gegründet. Das Münsterland ist katholisches Stammland, steht trotz mancher Erosion bis heute in Treue fest zum Glauben. Das Bistum Limburg liegt zwischen dem behäbigen Westerwald und dem wachen, kritischen Frankfurt. Im Münsterland wird mit Weihrauch nicht gegeizt, in Frankfurt gilt Weihrauch schnell als traditionsverhaftet, geradezu rückständig. Vor allem hat das Bistum Limburg ein schwieriges Verhältnis zu Rom. Was mit der Affäre Bafile zusammenhängt und mit dem Konflikt zwischen dem Vatikan und Bischof Kamphaus in der Schwangerenkonfliktberatung.

          Nächstenliebe und Versöhnungswillen

          Bei der Bafile-Affäre ging es um die Beteiligung der Laien, die, vereinfacht gesagt, dem Vatikan zu weit ging. Und 2002 verbot der Papst dem Bistum, Beratungsscheine auszustellen, die eine Abtreibung ermöglichten. Beide Fälle sorgten für Aufruhr unter den Gläubigen und führten zu einem bis heute währenden antirömischen Impuls. In diese Welt kam der Mann aus Münster. Nur vor diesem Hintergrund ist zu erklären, warum er so viel negative Energie auf sich zog.

          Lange sah es so aus, als würden sich die Fronten weiter verhärten, jüngst im Konflikt mit Frankfurts Stadtdekan. Seit der vergangenen Woche aber handelt Franz-Peter Tebartz-van Elst, als werde er von einem erstklassigen Fachmann in Krisen-PR beraten. Er sucht den Dialog mit den Gremien. Er will alle Katholiken in sein Haus einladen. Er gesteht Fehler ein. Gut so. Es wäre ja auch schlimm, würde ausgerechnet eine Kirche, die Nächstenliebe und Versöhnungswillen predigt, nicht ihre inneren Konflikte entschieden, aber brüderlich austragen.

          Weitere Themen

          „Derzeit planen alle nur auf Sicht“

          Abschied von Stephan Pauly : „Derzeit planen alle nur auf Sicht“

          Stephan Pauly, der zum 1. Juli nach Wien wechselt, blickt auf achteinhalb erfolgreiche Jahre als Intendant der Alten Oper in Frankfurt zurück. Nicht nur Großprojekte wie „One Day in Life“ werden in Erinnerung bleiben.

          Topmeldungen

          Unruhen wegen George Floyd : Ausgangssperre in Los Angeles

          Die Gewalt in Amerika eskaliert. In Detroit wird ein Demonstrant erschossen, in Oakland ein Polizist. Minnesotas Gouverneur entschließt sich zu einem einmaligen Schritt – und Trump gießt weiter Öl ins Feuer. Er beschuldigt linke Gruppen, hinter den Unruhen zu stecken.
          Der Start am Weltraumbahnhof in Florida

          Cape Canaveral : Erste bemannte SpaceX-Rakete erfolgreich gestartet

          Es ist der erste bemannte Weltraumflug Amerikas seit neun Jahren – die Privatfirma SpaceX hat ihre Crew-Dragon-Kapsel ins All geschickt. Der erfolgreiche Start der zweistufigen Rakete bedeutet eine grundsätzliche Abkehr von der Art und Weise, mit der Astronauten bisher in den Orbit befördert werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.