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Kommentar : Traum und Wirklichkeit

Es ist eine Gelegenheit, die so bald nicht wieder kommt. Neben dem Goethehaus in der Frankfurter Innenstadt wird ein Grundstück frei. Ein guter Platz für das Romantikmuseum.

          Es ist eine Gelegenheit, die so bald nicht wieder kommt. Neben dem Goethehaus in der Frankfurter Innenstadt wird ein Grundstück frei, auf dem die Stadt, das Land und der Bund gerne ein Romantikmuseum errichten würden. Leider müssen sie dazu jeweils vier Millionen Euro aufbringen. Das ist sehr viel weniger, als sie für andere Haushaltsposten auszugeben haben. Aber Frankfurt muss sparen, dem Land geht es nicht anders, nur der Etat des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien im Berliner Kanzleramt wächst. Augenblicklich warten daher alle Geldgeber auf Signale des anderen.

          Zu hoffen ist, dass sich das von allen drei Trägern des Goethehauses geteilte Interesse an der Errichtung der Museumserweiterung bald in einer Finanzierungsvereinbarung niederschlägt. Denn die Sammlung, um die es geht, ist es wert. Im Keller von Goethes Geburtshaus liegen die Lebenswerke von Eichendorff, Novalis und Clemens Brentano, lagern Handschriften und Briefe von Bettine Brentano und ihrem Mann Achim von Arnim, den Brüdern Schlegel und Karoline von Günderode. Es lässt sich kaum eine Sammlung denken, mit deren Hilfe sich die Romantik besser erklären ließe. Das Frankfurter Museum würde ihr den Auftritt verschaffen, den sie verdient.

          Auch als Standort könnte die Nachbarschaft des Goethehauses nicht passender gewählt sein. Seit genau hundert Jahren sammelt es Romantik. Schon 1911 erwarb es einen Teilnachlass des Frankfurter Romantikers Clemens Brentano. Zwischen den Kriegen sammelte dann der damalige Direktor Ernst Beutler für ein Romantik-Museum im Frankfurter Stadthaus der Brentanos, das in den Bombennächten zerstört wurde. Nach dem Krieg konnte Beutler immerhin das Goethehaus wieder aufbauen, gegen viel Widerstand. Es wäre an der Zeit, dass man sich in der Stadt, für die er so viel getan hat, zusammentut, um neben dem Goethehaus mit dem Romantikmuseum auch Beutlers bislang nicht Wirklichkeit gewordenen Traum zu verwirklichen: Goethe inmitten der Romantik zu zeigen, die ihn umgab und die mit Frankfurt mehr zu tun hat, als man in der Stadt weiß. Gelegenheiten ergeben sich manchmal zum ungünstigsten Zeitpunkt. Verpassen sollte man sie nicht.

          Florian  Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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