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Kommentar : Tiefer Einschnitt bei Merck

In ihrem „Zukunftsdialog“ wollen Betriebsrat und Chefetage klären, wie Merck wachsen und Innovationen fördern kann. Dies sind elementare Fragen für ein Unternehmen, das seit jeher von neuen Produkten lebt.

          Keine Frage: Es hätte für die „Merckser“ in Südhessen schlimmer kommen können. Zwar wird ihr Arbeitgeber Merck am Stammsitz in Darmstadt 750 Stellen abbauen und weitere in Gernsheim. Doch wirkt die Gesamtzahl noch moderat gemessen an den mehr als 2000 Arbeitsplätzen, die eine vom Konzern angeheuerte Unternehmensberatung nach Angaben von Betriebsräten „im Visier“ hatte: Ein Fünftel der Stellen stand demnach auf der Kippe - ein Zehntel wird nun tatsächlich abgebaut. Diese Zahl bedeutet noch immer einen tiefen Einschnitt für das Unternehmen, schließlich hat Merck in der Vergangenheit die Belegschaft regelmäßig aufgestockt.

          Sie sollte allerdings nicht den Blick auf die Einzelheiten verstellen, die für gelebte Sozialpartnerschaft auch in schwierigen Tagen stehen. Denn die Details zeigen, dass Arbeitsplatzabbau über Altersteilzeit und Abfindungen hinaus deutlich mehr sein kann als „head count“, als ein phantasieloses Aussortieren von Personal. Ein Beispiel hierfür ist die Übereinkunft zwischen Konzern und Arbeitnehmervertretern, die Buchhaltung anders als zunächst vorgesehen nicht von Darmstadt nach Polen zu verlagern, sondern vielmehr Arbeitsabläufe zu verbessern und dadurch Kosten zu senken. Nun stehen die Arbeitnehmer zwar in der Pflicht, entsprechend „zu liefern“, aber die Stellen verbleiben eben in Südhessen.

          Die als der „Mercksche Weg“ gepriesene Sozialpartnerschaft wird sich in Zukunft in einem größeren Rahmen weiter beweisen müssen. In ihrem „Zukunftsdialog“ wollen Betriebsrat und Chefetage klären, auf welchen Geschäftsfeldern Merck wachsen kann und wie die Fähigkeit des Konzerns, grundlegend neue Produkte zur Marktreife zu führen, gefördert werden kann. Dies sind elementare Fragen für ein Unternehmen, das seit jeher von Innovationen lebt und auf sie angewiesen ist.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

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