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Kommentar : Teures Vergnügen einer Minderheit

  • -Aktualisiert am

Hessens ärmste Kommune hilft dem vor der Insolvenz stehenden Traditionsverein Kickers Offenbach finanziell. Nur: Soll das Gros der Bürger für das Wochenendvergnügen einer Minderheit bezahlen?

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          Kann Offenbach sich das leisten? Die Stadtverordneten beschlossen mehrheitlich, dass Hessens ärmste, mit einer Milliarde Euro verschuldete Kommune den vor der Insolvenz stehenden Traditionsverein Kickers Offenbach (OFC) finanziell stützt.

          Diese Festlegung setzt voraus, dass das Sanierungskonzept des mit 9,1 Millionen Euro verschuldeten Fußballvereins greift. Zwar wird im Offenbacher Rathaus der von der OFC Profisport GmbH, dem professionellen Arm des Vereins, vorgelegte Sanierungsplan als „mit realistischen Annahmen hinterlegt“ bezeichnet. Zugleich wird festgestellt, dass nicht abzusehen sei, inwieweit die Sanierung gelingen werde. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die OFC GmbH abermals, etwa aufgrund des Abstiegs in die Regionalliga Süd-West, wirtschaftlich in Schwierigkeiten kommen werde, was zu weiteren Verlusten für die städtischen Gesellschaften führen müsse. Der OFC hat denn auch schon für die vierte Liga den Lizenzantrag gestellt.

          Man könnte von Erpressung sprechen

          Die Stadt, die das für 25 Millionen Euro gebaute neue Stadion auf dem Bieberer Berg mit fünf Millionen Euro direkt unterstützt hat, ist mit dem OFC in einer Weise verbunden, die beide zu Gefangenen macht. Wer immer in der Stadt den Begehrlichkeiten dieses Profiklubs entgegentritt, wird scheel angesehen. Das Pfund, mit dem der OFC wuchert, lässt sich auf eine einfache Rechnung zurückführen: Wer nicht bereit ist, die Existenz des Vereins zu sichern, wird mit dem Verweis auf den Klub als „bundesweiten Imageträger“ ausgegrenzt.

          Das ist eine nicht belastbare Behauptung. Gleichwohl hat mit dieser Hypothese die Vereinsführung unter dem vormaligen OFC-Geschäftsführer Thomas Kalt die Stadt dazu gebracht, das Abenteuer eines kostspieligen Stadionneubaus einzugehen. Metaphorisch könnte man von Erpressung sprechen. Auch in der damaligen Entscheidungslage traten OFC-Fanklubs auf den Plan und betätigten sich als lautstarke Lobby.

          Die Zahlen sprechen indes eine eigene Sprache: In dieser Saison hat der OFC im Durchschnitt 6386 Besucher. Das Stadion hingegen fasst 20.500 Zuschauer. Wer kommt für die Verluste auf, die aus dieser Mindernutzung folgen? Ist es wirklich Aufgabe der Stadt Offenbach, einen Profifußballverein zu subventionieren? Die Frage, um die es geht, ist ganz einfach: Soll das Gros der Bürger für das Wochenendvergnügen einer Minderheit bezahlen? Das letzte Wort werden die Kommunalaufsicht in Darmstadt und der DFB haben.

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