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Kommentar : Teurer Kontrollverlust

  • -Aktualisiert am

Die Teilnahme an Mission Olympic ist für das finanziell klamme Offenbach ein finanzielles Desaster. Der Fall steht für den Kontrollverlust des Magistrats im Rathaus der Stadt und von dessen Spitze.

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          Es war ein schönes Fest, im vorigen September: Mehrere zehntausend Sportbegeisterte turnten und walkten, wanderten und radelten an vielen Stellen in der Stadt. Viele Bürger wollten Offenbach im Wettbewerb „Mission Olympic“ zum Erfolg verhelfen. Dem Gewinner bei der Suche nach „der aktivsten Stadt Deutschlands“ waren 50.000 Euro als Prämie garantiert. Im Finale unterlag Offenbach zwar Bocholt, erhielt aber immerhin noch 15.000 Euro. Nach der Preisverleihung in Berlin kam es jedoch schlimm für die Stadt. Die Teilnahme an dem vom Getränkehersteller Coca-Cola und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ausgelobten Städtewettbewerb erwies sich als finanzielles Fiasko.

          Als das Desaster Anfang Dezember offenkundig wurde, hatten die Verantwortlichen im Magistrat - Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) und Bürgermeister Peter Schneider (Die Grünen), die beide nacheinander auch als Sportdezernenten zuständig waren - rasch den bösen Buben ausgemacht: Sportamtsleiter Jürgen Weil.

          Kontrollverlust im Rathaus

          Nun ist Weil ein Verwaltungsfachmann mit fast vier Jahrzehnten Erfahrung. Dass dieser Mann, hingerissen von einem möglichen Erfolg bei „Mission Olympic“, das Einmaleins der Verwaltungshandelns vergessen haben könnte, lässt sich nicht ausschließen, ist aber nach den vorliegenden Fakten wenig wahrscheinlich. Zwar führt der Bericht des Revisionsamts jene sieben Fälle auf, in denen Weil seine Vergabebefugnis, die auf 12.500 Euro beschränkt war, überschritt. Nach der Lektüre der beiden Berichte des Revisionsamts ist aber zu fragen: Wo waren Oberbürgermeister und Bürgermeister? Die vom Dezernenten Felix Schwenke (SPD) wiederholte Einlassung, wonach Dezernenten den Amtsleitern zu vertrauen hätten, ist durch die Fakten widerlegt.

          Der Prüfbericht des Revisionsamts bezeugt dies: „Zu keinem Zeitpunkt gab es ein Einschreiten gegen die zu hohen Aufwendungen. Transparenz hätte die Eröffnung eines entsprechenden Untersachkontos herstellen können sowie eine Kostenkalkulation beziehungsweise ein Kostenmanagement vor Beginn der Veranstaltung.“ Der Fall „Mission Olympic“ steht für den Kontrollverlust des von SPD, Grünen und Freien Wählern dominierten Magistrats im Offenbacher Rathaus und von dessen Spitze: Oberbürgermeister Horst Schneider und Bürgermeister Peter Schneider.

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