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Weihnachts-Kommentar : Tage der Klarheit

Ruhe und Besinnlichkeit gibt es unterm Weihnachtsbaum. Doch Vorsicht mit Kerzen, sonst ist die Ruhe wieder vorbei! Bild: dpa

Was für ein Jahr, das hinter uns liegt: Trump, Bundestagswahl, Bombenräumung. Wir brauchen nun endlich besinnliche Weihnachten – und absolute Ruhe.

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          „Wir wünschen besinnliche Weihnachten.“ So oft, wie dieser Satz in diesen Tagen auf Weihnachtsfeiern zu hören und auf Grußkarten zu lesen ist, so schwer fällt es, nach diesem Jahr an seine Erfüllung zu glauben. War es wirklich erst in diesem Jahr, dass Donald Trump amerikanischer Präsident wurde und wahlweise Nordkorea, Iran oder auch den ganzen Vereinten Nationen mit Vergeltung drohte?

          Dass die Liberalen erst in den Bundestag zurück und dann den designierten Koalitionspartnern den Rücken zukehrten; dass die AfD erst in das deutsche Parlament zog und sich seitdem mit Führungsstreit selbst beschäftigt; dass Opel nicht mehr Amerikanern gehört, sondern dem Franzosen PSA Peugeot; dass SPD-Chef Martin Schulz erst 100 Prozent bekam und dann, als es darauf ankam, nur noch 20,5 Prozent; dass Zehntausende die Frankfurter Innenstadt für eine 72 Jahre alte Bombe räumen mussten; dass die Eintracht einmal auf Platz drei der Tabelle stand und der FSV vor der Insolvenz? Dass der Börsenchef erst an der geplanten Börsenfusion scheiterte und dann an sich selbst?

          Und sind es wirklich schon zehn Monate, die der aus Flörsheim stammende Journalist Deniz Yücel in einem türkischen Gefängnis verbringen muss? So viel ist in diesem Jahr passiert, dass kaum die Zeit zu finden war, Luft zu holen, es zu verarbeiten, allem einem Sinn zuzuordnen.

          Es fehlte die Zeit für Besinnung.

          Besinnliche Weihnachten sind deshalb nicht nur ein Wunsch, sondern notwendig. Von Sonntag an haben wir drei Tage Zeit, um sich darauf zu besinnen, was wirklich wichtig ist. Auf unsere Lieben, auf die Familie. Sie sind uns verbunden nicht wegen der Dinge, die sie uns unter den Weihnachtsbaum legen oder die sie uns beim Festessen an den Kopf werfen. Sie sind es, weil sie einem Mut geben können, wenn er einem ausgeht. Und weil sie einem Stärke in den Momenten der Schwäche geben.

          Drei Tage der absoluten Ruhe liegen vor uns, an denen kein Laden uns mit Schnäppchen locken kann und kein Kollege oder Geschäftspartner einen Rückruf erwartet. Spätestens am Mittwoch wird diese Ruhe schon wieder enden, dann können wir wieder über verspätete Züge klagen und uns in überfüllte Einkaufsstraßen quetschen, als wenn es dazu nie wieder eine Gelegenheit gäbe.

          Aber diese drei Tage zur Besinnung sollten wir uns nach diesem Jahr wirklich gönnen. Zu wünschen ist es jedem.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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