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Kommentar : Symbole mit Wert

Neustart: In Bad Homburg setzt sich ein runder Tisch für die Flüchtlinge in der Region ein. Bild: dpa

Den Fremden lieben wie sich selbst - im Hochtaunuskreis soll dieses Bibelzitat aufgehängt werden. Es ist ein Symbol, das seinen Wert bekommt mit dem Einsatz für Flüchtlinge.

          Ein großes Banner mit einem Bibelzitat sollen die katholischen und evangelischen Kirchengemeinden im Hochtaunus aufhängen: „Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst.“

          Die verkündete Anregung kommt von den Referenten des katholischen Bezirksbüros und des Evangelischen Dekanats. Die für September geplante Aktion ist Symbolpolitik im klassischen Sinn. Aber sie ersetzt nicht tätiges Handeln, wie die Arbeit des runden Tisches für Flüchtlinge in Bad Homburg zeigt. Dort haben sich Gruppen zusammengeschlossen, die sich für die vor Krieg, Diktatur und Gewalt geflohenen Menschen einsetzen. Ehrenamtlich geben pensionierte Lehrerinnen Deutschkurse, andere - in den meisten Fällen sind es Frauen - kümmern sich um Familien, deren Kinder sich in für sie fremder Umgebung in Kindergärten und Schulen zurechtfinden müssen.

          „Überall stoßen wir auf Hürden“

          Auch andernorts ist die Hilfsbereitschaft groß. Noch bevor die Stadt Kronberg weiß, wo sie die ihr zugewiesenen Flüchtlinge unterbringen soll, bilden sich die ersten Unterstützerkreise. Ähnlich war es zum Beispiel im vergangenen Jahr in Bad Soden. Natürlich bleibt die Suche nach einem Dach über dem Kopf die dringlichste und für viele Kommunen schwer lösbare Aufgabe. Zudem schließt die viel bemühte „Willkommenskultur“ nicht aus, dass sich Anwohner zum Protest formieren, wenn in der Nähe eine Gruppe von Asylbewerbern untergebracht werden soll. Doch auch Misstrauen gegenüber Fremden lässt sich am besten abbauen, indem man die Menschen näher kennenlernt.

          Mit ihrem Engagement sind die ehrenamtlichen Helfer gezwungen, sich mit den politischen Rahmenbedingungen auseinanderzusetzen. Ihre Deutschkurse sind ein rein freiwilliger Beitrag zur Integration, denn Anspruch auf solche Kurse haben nur anerkannte Asylbewerber. Ob es um eine Arbeitsmöglichkeit geht, die das Gesetz anfangs ausschließt, oder eine rechtliche Beratung, die mit Gebührenordnungen kollidiert: „Überall stoßen wir auf Hürden“, sagt der Vorsitzende des Bad Homburger runden Tischs, Alexander von Oettingen. So wird die Arbeit der Flüchtlingshilfen zu einem Einsatz „in der Nische“. Aber zu einem lohnenswerten.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

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