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Kommentar : Stürmische Zeiten für Windräder

  • -Aktualisiert am

Solange der länderübergreifende Ausbau der Netze den Anschlusszahlen immer neuer Windräder und Solarkollektoren hinterherhinkt, so lange müssen sensible Kulturlandschaften vor einer Verspargelung bewahrt werden.

          Der Wind weht kräftig auf der Hohen Wurzel und auf der Platte nicht minder. Dass der rund 600 Meter hohe Taunuskamm zwischen Wiesbaden und Taunusstein auf der Windpotentialkarte des Landes Hessen dunkelrot eingefärbt und damit als besonders windhöffig ausgewiesen ist, überrascht nicht. Wer über die Standorte von Windrädern zu entscheiden hat, muss allerdings mehr bedenken als die Stärke des Windes und den Gewinn an Strom und Geld. Mit beidem ist der Schaden nicht aufzuwiegen, den eine Kulturlandschaft durch überhastete und wenig durchdachte Beschlüsse nehmen kann.

          Die Grünen und mit Abstrichen auch die SPD müssen es als besondere politische Ironie empfinden, dass ihnen die Energiewende als Konsequenz der Katastrophe von Fukushima zunächst in vielen Kommunen unerwartet eine politische Mehrheit bescherte und dass sie nun in der unausweichlichen Standortdiskussion um die Aufstellung von Rotoren politisch in die Defensive geraten sind und in Bürgermeisterwahlkämpfen landauf, landab einen schweren Stand haben.

          Ein solcher Wahlkampf steht auch Taunusstein bevor, und es wäre naiv zu vermuten, dass hinter der kategorischen Ablehnung von Rotoren auf dem Taunuskamm nicht auch wahlstrategische Überlegungen stehen. Dennoch ist die Entscheidung richtig, denn der Taunuskamm muss schon aus landschaftsästhetischer Sicht eine Tabuzone für Rotoren bleiben. Solange viele Fragen der Energiewende ungeklärt sind, solange die unausweichliche Novellierung des EEG völlig ungewisse Konsequenzen hat und solange selbst der Bundesumweltminister vor einem ungezügelten Ausbau der Windkraft warnt, wäre es völlig verkehrt, die schönsten Ecken des Landes mit Rotoren zuzustellen. Ein Verzicht wäre im Gegenteil sogar ein Beitrag zu der vom Umweltminister geforderten Begrenzung der ausufernden Kosten der Energiewende, die grundsätzlich niemand in Frage stellen will.

          Solange aber deren bundesweite Koordination ein Wunschtraum bleibt und solange der länderübergreifende Ausbau der Netze den Anschlusszahlen immer neuer Windräder und Solarkollektoren hinterherhinkt, so lange müssen sensible Kulturlandschaften vor einer Verspargelung bewahrt werden. Das ist keine Frage des Sankt-Florians-Prinzips, sondern der Vernunft.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

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