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Kommentar : Statement für die Kreativen

Stärker als die Zeit: Die Festhalle hat schon viele Konzerte gesehen - die Lea-Verleihung bot eine Bühnenshow der besonderen Art. Bild: Junker, Patrick

Die Musikmesse macht es mit ihrem gleichnamigen Festival vor: Das Event wird in die Stadt hineingetragen. Für die Bankenstadt Frankfurt kann das nur ein Gewinn sein.

          Ein rauschendes Fest geht anders. Insgesamt sind die Live Entertainments Awards, kurz Lea genannt, immer noch eine gewöhnungsbedürftige Veranstaltung. Bei der zwölften Auflage am Montagabend in der Frankfurter Festhalle bekamen die 1400 Gäste zwar eine teils bombastische Bühnenshow und allerlei Prominenz geboten, die Woge der Begeisterung hingegen vermochte das Publikum leider nicht zu erreichen. Vermutlich liegt das daran, dass bei der zum Auftakt der Frankfurter Musikmesse pompös und professionell inszenierten Lea-Verleihung die eher unbekannten Konzertveranstalter und nicht die Künstler im Scheinwerferlicht stehen.

          Dennoch: Die Gala tut Frankfurt gut. Viel zu lange spielte die Musik bei der Musikmesse buchstäblich nur in den Messehallen. Das ist vorüber. Kamen früher vor allem Geschäftemacher zu der Instrumentenschau, ist die Messe nun zu einem Treffpunkt von Künstlern geworden, die das Event in die Stadt hineintragen, etwa mit dem Musikmesse-Festival. Für die Bankenstadt Frankfurt kann das nur ein Gewinn sein.

          Veranstaltungen wie den Effie oder den Lea unbedingt halten

          Die Lea-Verleihung trägt dazu bei. Sie stellt nicht die seit Jahren rückläufige Zahl verkaufter Musiktitel in den Mittelpunkt, sondern die Qualität von Live-Events, die, unbeeindruckt von der Digitalisierung der Musikbranche, für Musiker und Fans immer wichtiger werden. Damit passt sie ideal zu der parallel zur Musikmesse laufenden „Prolight and Sound“, auf der Licht- und Klangeffekte präsentiert werden.

          Zudem ist eine Gala mit Stars wie Mark Forster, Udo Lindenberg und Nena auch ein Statement zum Kreativstandort Frankfurt. So demonstriert die Stadt, allen voran Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU), dass ihr diese Branche wichtig ist. Zudem zeigt Frankfurt mit derlei Awards auch überregional, was es zu bieten hat. Das ist nicht zuletzt beim Werben um internationale Banken und deren Angestellte ein gewichtiges Argument. Schließlich fragen Konzerne zunehmend nach kreativen Angeboten an potentiellen Standorten.

          Auch wenn Frankfurt den ADC-Gipfel als Treffpunkt der Kreativelite 2012 an Hamburg verloren hat, sollte die Stadt Veranstaltungen wie den Effie oder den Lea unbedingt halten. Denn die Branche braucht Plattformen und zentrale Ereignisse, die Kreative zusammenbringen. Nach wie vor mag Frankfurt nicht als Mekka für diese Branche gelten. Doch eine Imagebildung braucht vor allem eines: einen langen Atem.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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