https://www.faz.net/-gzg-16h4y

Kommentar : Stadtluft macht Mehrheiten

Sie vermissen ihn schon, bevor er ganz gegangen ist, die Gegner von Roland Koch. Das sei wenigstens einer gewesen, an dem man sich habe reiben können, heißt es jetzt mit scheinheiliger und gönnerhafter Sentimentalität.

          1 Min.

          Sie vermissen ihn schon, bevor er ganz gegangen ist, die Gegner von Roland Koch. Das sei wenigstens einer gewesen, an dem man sich habe reiben können, heißt es jetzt mit scheinheiliger und gönnerhafter Sentimentalität. „Ich habe mich vor zwei Monaten mit Roland Koch darauf geeinigt, dass wir ein altes Ehepaar sind. Jetzt kommt mir der Ehepartner abhanden“, scherzt etwa der Grünen-Chef Tarek Al-Wazir.

          Blickt man auf die gut elf Jahre Regierungszeit Kochs zurück, dann ist das politische Profil des Ministerpräsidenten ziemlich diffus. Wie anderen Regierenden auch nötigten ihm die wechselnden Umstände manche Kurskorrektur ab. Koch, ein Konservativer? Das ist er nur punktuell. Weil er dazu neigt, seine jeweilige Position mit scharfer Rhetorik zu vertreten, wo andere ins Wolkige ausweichen, haftet ihm der Ruf des Hardliners an. Seine Taten sprechen eine andere Sprache, aber das ignorieren seine Gegner geflissentlich.

          Koch an Popularität schon überholt

          Dass Volker Bouffier die intellektuelle Brillanz Kochs fehlt, kann ihm durchaus zum Vorteil gereichen. Er wird sich darauf verlegen, das Landesväterliche stärker zu betonen als sein Vorgänger. Mit seiner leutseligen Art hat er Koch in der hessischen CDU an Popularität schon überholt. Dort schätzt man allerdings auch ein patriarchalisches Führungsverständnis.

          Die Wähler auch des bürgerlichen Lagers sind in ihrer großen Mehrheit längst anders gestrickt. Will die CDU die schleichende Auszehrung verhindern, wird sie nicht umhinkommen, das städtische Bürgertum stärker anzusprechen. Es ist eine Schwäche von Roland Koch, dass sein Kabinett dem urbanen Milieu keine Identifikationsfigur bietet. Bouffier wird hier für Abhilfe sorgen müssen, auch wenn es ihn Überwindung kostet.

          Bundesfamilienministerin Kristina Schröder könnte verstärkt als hessisches Gewächs präsentiert werden. Die Frankfurter CDU mit ihrem Vorsitzenden Boris Rhein hat sich auf den Weg zur modernen Großstadtpartei gemacht. Eine unideologische Bildungspolitik, eine kantige Sicherheitspolitik und eine pragmatische Integrationspolitik sind eine gute Mitgift. Rheins Beförderung zum Innenminister wäre ein Zeichen Bouffiers.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Folgen:

          Topmeldungen

          Raffinerie von Aramco.

          Börsengang : Aramco will bis zu 22 Milliarden Euro erlösen

          Der Konzern gibt Details zum größten Börsengang des Jahres bekannt: In Riad erhofft man sich Erlöse von 22 Milliarden Euro. Privatanleger können die Aktien ab sofort zeichnen. Die Preisspanne für eine Aktie soll bei knapp 7,50 Euro liegen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.