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Kommentar : Spektakulär, nicht mondän

Elegant ist „My Zeil“ nicht geworden, aber zumindest spektakulär. Es handelt sich um eine auf Effekt berechnete Architektur, über die man spricht. Das riskante Konzept eines vertikalen Einkaufszentrums könnte aufgehen.

          Der Bauherr des neuen Zeil-Einkaufszentrums war nicht vom Glück verfolgt. Er kaufte das Telekom-Areal, als die Grundstückspreise gerade Rekordhöhen erreicht hatten. Und er begann mit dem Bau, als die Preise für Stahl und Glas auf ein Spitzeniveau geklettert waren. Nur die Stimmung im Einzelhandel, der die horrenden Quadratmetermieten von bis zu 400 Euro aufbringen sollte, blieb in der ganzen Zeit verhalten.

          Dass die ursprüngliche Kalkulation von MAB Bouwfonds aufgegangen ist, muss daher als ausgeschlossen gelten. Dem Einkaufszentrum mit der aufwendigen biomorphen Architektur sieht man an einigen Stellen denn auch an, dass bei der Verwirklichung der hochfliegenden Pläne gespart werden musste. Die Lichtbänder entlang den Aussparungen der Geschossdecken sind schlecht ausgeleuchtete Billigware, und der Bodenbelag ist lieblos mit einigen weißen Kreisen verziert worden. In den fünfziger Jahren, die hier wie auch von den Geländern mit ihren etwas zu dick geratenen Handläufen offenkundig zitiert werden, hat man mit deutlich mehr handwerklicher Detailliebe gearbeitet.

          Eine übermächtige Konkurrenz ist nicht entstanden

          Mondän oder elegant ist das Einkaufszentrum also nicht geworden, aber mit seinem geschwungenen und zu Rüsseln geformten Glasdach doch spektakulär. Es handelt sich um eine auf Effekt berechnete Architektur, über die man spricht. Die Leute werden kommen, um sich selbst ein Bild zu machen. Sie werden sich auf die beeindruckend lange Rolltreppe stellen und in einem Rutsch ins vierte Obergeschoss fahren, um sich dann langsam wieder hinunterzuarbeiten. Die Raumplaner haben den Weg abwärts so langwierig gestaltet, wie es der Kunde gerade noch akzeptiert. Er passiert zwangsläufig eine große Anzahl von Schaufenstern.

          Das riskante Konzept eines vertikalen Einkaufszentrums, das in Deutschland noch niemand erfolgreich erprobt hat, könnte also aufgehen. Als Magnet wurde – dem Vernehmen nach für eine Spottmiete – ein riesiger Saturn Hansa ganz oben plaziert. Für seine Verhältnisse hat sich der Elektronikmarkt bei der Gestaltung der Schaufenster in großer Zurückhaltung geübt. Auch fast alle anderen Läden präsentieren sich einladend. Das gastronomische Angebot wird ein Übriges dazu tun, die Verweildauer der Kunden zu verlängern. Doch einer übermächtigen Konkurrenz sehen sich die übrigen Kaufhäuser und Einzelhändler in der Innenstadt keineswegs gegenüber. Es ist eine Ergänzung, nicht mehr und nicht weniger.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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