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Kommentar : Schon die zweite Panne

Das Bauunternehmen Baresel ist in der Baugrube zum Büroturm der Europäischen Zentralbank neben der Frankfurter Großmarkthalle stecken geblieben. Dass sich der mittelständische Betrieb mit dem Riesenauftrag übernommen hat, ist ärgerlich. Denn die Kosten für den fliegenden Wechsel auf der Baustelle trägt vermutlich der Steuerzahler.

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          185 Meter sollten es sein. Es wurden weniger als null. Das Bauunternehmen Baresel ist in der Baugrube zum Büroturm der Europäischen Zentralbank neben der Frankfurter Großmarkthalle stecken geblieben. Dass sich der mittelständische Betrieb mit dem Riesenauftrag übernommen hat, ist ärgerlich. Denn die Kosten für den fliegenden Wechsel auf der Baustelle trägt vermutlich der Steuerzahler. Die Erfahrung zeigt, dass sich ein Unternehmen, das nach einer solchen Panne die Feuerwehr spielt, diesen Einsatz gut bezahlen lässt.

          Zwar behauptet die EZB, die Baukosten blieben trotz des Wechsels im engen Rahmen von 500 Millionen Euro, den sie sich mit Blick auf das Gebot, effizient zu wirtschaften, gesetzt hatte. Dieses Budget ist allerdings erläuterungsbedürftig; es wurde auf Grundlage der Rohstoffpreise und Baukosten von 2005 berechnet. Das klingt ein bisschen nach Schönrechnerei. Die Preisschwankungen sowie die Erschließungs- und Grundstückskosten hinzugerechnet, wird der Neubau vermutlich sowieso mehr als 800 Millionen Euro kosten.

          Zweifel an der Professionalität

          Schon bei der Ausschreibung hatte sich die EZB einen Flop geleistet. Die Suche nach einem Generalunternehmer für den Neubau verlief erfolglos; es fand sich niemand, der das Hochhaus für eine vertretbare Summe errichten wollte. Die EZB entschied sich, die Gewerke einzeln zu vergeben, und konnte schließlich Vollzug melden.

          Dass der Bauherrin nun schon die zweite Panne unterläuft, wirft ein schlechtes Licht auf das Bauvorhaben und weckt Zweifel an der Professionalität, mit der die EZB ihr Projekt angeht. Baresel scheint zu knapp kalkuliert zu haben. Die Summe von 55 Millionen, für die Baresel den Massivbau des Hochhauses erstellen wollte, gilt als viel zu niedrig. Immerhin baut die EZB nicht irgendein Hochhaus, sondern einen in sich verdrehten Turm des für seine exaltierten Bauten bekannten Büros Coop Himmelb(l)au. Sollte die Pannenserie anhalten, darf man auf die Schlussrechnung gespannt sein.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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