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Kommentar : Schmeckt oder schmeckt nicht

  • -Aktualisiert am

Die Nachricht aus Australien, der gegenwärtig beste Riesling des Globus sei 1991 in einem Weinberg der Staatsweingüter in Eltville gewachsen, lässt zwar den hessischen Weinbauminister jubeln. Doch handelt es sich um eine für das landeseigene Weingut wenig überzeugende Meldung.

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          Wein zu beurteilen ist einfach. Schmeckt oder schmeckt nicht – das ist das wichtigste Ergebnis jeder Verkostung. Weil jedoch der Bessere stets der Feind des Guten ist, jagt die Weinbranche mit jedem Jahrgang aufs Neue nach dem Superlativ. Die Nachricht aus Australien, der gegenwärtig beste Riesling des Globus sei schon 1991 in einem Weinberg der Staatsweingüter in Eltville-Rauenthal gewachsen, lässt zwar den hessischen Weinbauminister euphorisch jubeln. Doch handelt es sich, bei Licht betrachtet, um eine für das landeseigene Weingut wenig überzeugende Werbebotschaft.

          Die Aussagekraft von Weinwettbewerben hinkt noch hinter der für Schönheitsköniginnen hinterher. Für hübsche Frauen gibt es wenigstens nur jeweils eine Handvoll Wettbewerbe. Für Weine jedoch ist diese Zahl nicht mehr überschaubar. Ein paar Dutzend Einladungen erhalten die Staatsweingüter im Jahr, und ihr Leiter Dieter Greiner entscheidet nach eigenem Ermessen: Kein Wein für die Bundesweinprämierung der DLG oder für „Best of Riesling“ in Rheinland-Pfalz, dafür ein paar Testflaschen für den Wettbewerb „Mundus vini“ und eben die „Canberra Riesling Challenge“. Und auf sanften ministeriellen Druck jetzt auch wieder für die belangloseste aller Prüfungen im Hessenland, die Landesweinprämierung, die bald wieder die Weinregionen mit Medaillen flutet.

          Basis-Riesling als Messlatte

          Hin und wieder einen Wettbewerb zu gewinnen ist gut für Selbstbewusstsein und Image. Er gibt aber keine überzeugende Antwort auf die Frage, wie der beste Riesling der Welt schmeckt. Selbst versierte Juroren räumen ein, dass der regelmäßig erfolglose Versuch einer Antwort stets von der Tagesform der Prüfer, der Anordnung der Probe und anderen Faktoren abhängt. Erfolgreiche Weingüter werden nicht nach dem Abschneiden bei Wettbewerben beurteilt, sondern nach hohen Preisen für ihr Sortiment und nach einem leeren Flaschenlager. Spitzengüter verkaufen ihre Weine nicht, sie teilen sie zu.

          Ein bislang defizitäres Landesweingut darf deshalb auch nicht am Erfolg von noch 300 verfügbaren Litern Eiswein des Jahrgangs 1991, sondern muss am Absatz von etlichen hunderttausend Litern Basis-Riesling gemessen werden. Weil es daran haperte, hat das Land eine Vorzeigekellerei spendiert. Zum Vorzeigeweingut aber ist es noch ein weiter Weg.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

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