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Kommentar : Schaaf ist ein Gewinn für die Eintracht

  • -Aktualisiert am

Hat die runderneuerte Eintracht-Mannschaft trotz kritischer Momente in der ersten Halbserie gefestigt: Thomas Schaaf Bild: dpa

Trainer Schaaf ist ein Gewinn für die Frankfurter Eintracht. Er hat vieles angestoßen und die runderneuerte Mannschaft trotz kritischer Momente in der ersten Halbserie so gefestigt, dass ihr vor 2015 nicht bange sein muss.

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          Thomas Schaaf und Roger Schmidt sind sich am Samstag erstmals als Gegner in der Bundesliga begegnet. Konkurrenten waren die Fußball-Lehrer aber schon einmal in diesem Jahr: Im Frühling, als die Eintracht einen Nachfolger für Armin Veh suchte, fiel die Wahl der Verantwortlichen zunächst auf Schmidt, der sich beim Casting gegen Schaaf durchgesetzt hatte. Doch der junge Coach aus Salzburg spielte offenbar ein doppeltes Spiel mit den Frankfurtern, brachte sich über sie ins Gespräch - und wechselte anschließend nach Leverkusen. Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner stand blamiert da. Seine Entscheidung, sich nach dem folgenden Hickhack mit Roberto Di Matteo auf den dritten Kandidaten, Schaaf, festzulegen, entpuppt sich heute als erstklassige Wahl.

          In der labilen Lage, in der sich der Klub nach zahlreichen Abgängen befand, hätte eine Falscheinschätzung in der Trainerfrage die Eintracht in erhebliche Schwierigkeiten stürzen können. Zum Abschluss der Vorrunde, die mit dem 1:1 in Leverkusen vielversprechend endete, lässt sich festhalten: Schaaf ist ein Gewinn für den Klub, er hat mit seiner Arbeit vieles angestoßen und die runderneuerte Mannschaft trotz Verletzungspech und kritischer Momente in der ersten Halbserie so gefestigt, dass ihr vor 2015 nicht bange sein muss. Schaafs Stärke ist seine Erfahrung, doch er ruht sich nicht darauf aus. Er kennt das Bundesligageschäft seit Jahrzehnten, wird aber von einem Ehrgeiz und einer Neugier angetrieben, mit der er Neueinsteigern wie Schmidt in Nichts nachsteht. Er palavert nicht von Visionen, sondern fällt durch Pragmatismus auf. 23 Punkte zur Runden-Halbzeit sind eine respektable Bilanz. Die meisten Spieler haben sich unter seiner Regie entwickelt oder auf höherem Niveau stabilisiert, nicht alle so spektakulär wie Torjäger Meier, aber doch bemerkenswert. Chandler und Oczipka überzeugen als Außenverteidiger durch Laufstärke und Fitness, Gleiches gilt für den „Sechser“ Hasebe oder den nimmermüden Seferovic, was für die Trainingsgestaltung spricht.

          Viele Kleinigkeiten besser machen

          Auffallend ist besonders die Aufwärtsentwicklung bei Stendera. Beim U-19-Europameister besaß Schaaf das richtige Gespür, half ihm nach der EM behutsam voran. Stendera verkörpert wie kein Zweiter das Potential, das in der Eintracht steckt. Er entstammt dem eigenen Leistungszentrum, dort entscheidet sich die Zukunftsfähigkeit des Klubs. Auf absehbare Zeit wird die Profiabteilung nicht über solche Einnahmen verfügen, wie sie die Spitzenklubs international verdienen oder von ihren Sponsoren erhalten. Demnächst wird der Verteilungskampf mit dem Auftauchen von Leipzig (Red Bull) und Ingolstadt (Audi) noch schwieriger.

          Um sich zu behaupten, muss die Eintracht viele Kleinigkeiten besser machen, um einen großen Wettbewerbsnachteil zu kompensieren. Die Talentförderung gehört dazu. Schaaf verbringt in jedem Monat mehr Zeit am Riederwald als Veh in seinen drei Jahren zusammen. Das ist mühsam und verspricht keinen schnellen Erfolg, kann aber langfristig Perspektiven verbessern. Abgerechnet, was die Ära Schaaf der Eintracht gebracht hat, wird wohl frühestens 2016. So lange läuft sein Vertrag. Sein Zwischenzeugnis zum Ende des ersten Halbjahres fällt positiv aus.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

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