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Kommentar : Sanierung auf der Zielgeraden

  • -Aktualisiert am

Wenn die Schlussrechnung für den Steuerzahler einen dreistelligen Millionenbetrag ausweisen wird, dann lässt sich daraus nicht auf eine verschwenderische Luxussanierung des Klosters Eberbach schließen. Getan wird vielmehr das Notwendige, um ein Kulturdenkmal von europäischem Rang zu erhalten.

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          Nein, ein Fass ohne Boden ist das Weinkloster Eberbach nicht, auch wenn dem jeweils verantwortlichen hessischen Finanzminister die mittelalterliche Anlage im Wald bei Eltville in den vergangenen 25 Jahren manchmal so vorgekommen sein mag. Und wenn die Schlussrechnung für den Steuerzahler in vielleicht sieben Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag ausweisen wird, dann lässt sich selbst daraus nicht auf eine verschwenderische Luxussanierung schließen.

          Getan wird vielmehr das Notwendige, um ein Kulturdenkmal von europäischem Rang von dem zu kurieren, was ihm nach der Säkularisierung in mehr als 150 Jahren an Zerstörung und Vernachlässigung widerfahren ist. Fast 15 Millionen Euro für die Sanierung des einstigen Hospitals mögen heute immens viel erscheinen, doch ginge es allein nach den Wünschen des Denkmalschutzes, würde dieser Abschnitt noch weit mehr kosten. Insofern ist jeder Sanierungsschritt auch ein Kompromiss und Ergebnis einer sorgsamen Abwägung.

          Wille und Finanzkraft des Landes

          Es ist auch nicht die Schuld der heutigen Landesregierung, dass beispielsweise die nassauischen Herrscher nach 1803 den Missbrauch der Kirche als Schweinestall zuließen und die Behebung der Schäden Millionen kostete. Aber Wiesbaden steht nun einmal in der moralischen Verantwortung, die Folgen dieser für das Kloster so schweren Zeit soweit möglich zu reparieren, um einen bedeutsamen Teil des kulturellen Erbes der Hessen zu bewahren.

          Natürlich wird es dabei immer teurer als eigentlich nötig, wenn die öffentliche Hand als Bauherrin auftritt. Das hat viele Ursachen und ist ärgerlich, aber es ist eben keine Besonderheit der früheren Zisterzienserabtei. Sinnvoll ist es, möglichst viele Räume so herzurichten, dass sie künftig durch Vermietung oder Verpachtung ihrerseits einen monetären Sanierungsbeitrag leisten können. Zudem braucht die Stiftung nach der Bestellung von vier Geschäftsführern binnen zehn Jahren endlich jene personelle Kontinuität, die für eine Generationenaufgabe wie die Sanierung einfach notwendig ist.

          Ob das 2016 und damit dreißig Jahre nach Sanierungsbeginn gelingen wird, lässt sich derzeit noch nicht absehen. Es hängt allein vom Willen und von der Finanzkraft des Landes ab, das absehbare Ende der langen Zielgeraden auch endlich zu erreichen. Zumindest am Willen sollte es nicht fehlen.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

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