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Kommentar : Sachsenhausen, nicht Kabul

Mehr als drei Meter hoch ist die Metall-Absperrung rund um das Gelände in Sachsenhausen, auf dem bald das Generalkonsulat der Volksrepublik China residieren soll. Ein bisschen mehr Gelassenheit gegenüber den deutschen Gastgebern stünde den Verantwortlichen gut zu Gesicht.

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          In China ist am 3. Februar das Jahr des Hasen angebrochen. Überall im Reich der Mitte wird Meister Lampe deshalb besondere Ehre zuteil. In der chinesischen Astrologie steht er nämlich für Sanftmut, Harmonie und Genuss. In seinem Zeichen stehen Freundschaft und Diplomatie hoch im Kurs.

          Nicht sehr freundlich und auch nicht besonders diplomatisch wirkt allerdings, was die Vertreter Pekings derzeit im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen veranstalten: An der Kreuzung von Kennedy- und Stresemannallee haben sie rund um das Gelände, auf dem bald das Generalkonsulat der Volksrepublik residieren soll, einen derart martialischen Zaun aufstellen lassen, dass unvoreingenommene Betrachter den Eindruck gewinnen können, sie befänden sich im Diplomatenviertel von Kabul oder Islamabad und nicht an einer Ausfallstraße im Frankfurter Ebbelwei-Viertel.

          Offenbar darf nicht einmal die Bauaufsicht auf das Gelände

          Mehr als drei Meter hoch ist die massive Metall-Absperrung, die zusätzlich mit scharfen Zacken und großen Sichtblenden versehen wurde. Was sich dahinter verbirgt, kann man nur ahnen. Wahrscheinlich sind es Bauarbeiten, denn die chinesische Regierung hat das Areal und die denkmalgeschützten Gebäude vor etwa drei Jahren gekauft. Jetzt wird dort seit einigen Monaten tatsächlich gearbeitet. Mehr aber wollen die Chinesen nicht verraten. Alle Nachfragen – telefonisch oder schriftlich – zum Umbau, zum Zeitplan oder zum Zaun laufen ins Leere. „Warum wollen Sie das wissen?“, fragt die Dame in der Presseabteilung des Generalkonsulats nur immer wieder. Und offenbar wird nicht einmal die Bauaufsicht auf das Grundstück gelassen.

          Das offensichtlich extreme Sicherheitsbedürfnis der Chinesen hat schon in Liederbach, wo das Generalkonsulat seine Handelsabteilung in einer Villa untergebracht hat, für Unmut gesorgt. Jetzt wundern sich die Frankfurter über die Paranoia der Verantwortlichen im chinesischen Außenministerium. Natürlich ist auch das amerikanische Generalkonsulat in Eckenheim kein „open house“, sondern im Grunde ein Hochsicherheitstrakt. Aber erstens hat die Vertretung Washingtons gut 1000 und nicht 25 Mitarbeiter. Zweitens liegt sie nicht mitten in der Stadt, und drittens beantworten die Amerikaner wenigstens Fragen. Ein bisschen mehr Gelassenheit gegenüber ihren deutschen Gastgebern stünde auch den Verantwortlichen im chinesischen Generalkonsulat gut zu Gesicht – gerade im Jahr des Hasen.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

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